Bei­trag PRAXIS Grund­schu­le Mai 2013

Vom Band zum Raum - Kreatives Experiment zur Erforschung der Unendlichkeit

Dreidimensionales Gestalten ist neben Zeichnen, Malen, Drucken und szenischem Spiel ein Kernbereich bildnerischer Praxis im Kunstunterricht. Im Schulalltag führt das Modellieren, Bauen und Montieren jedoch eher ein Schattendasein. Die Beiträge dieses Heftes wollen diesen Bereich in das Interesse der Lehrkräfte und Schüler rücken und ihn aus mehreren Perspektiven beleuchten.

Ästhe­tik der Mathe­ma­tik

Das mathe­ma­ti­sche Prin­zip der Unend­lich­keit wur­de zum ers­ten Mal im Jahr 1858 von Johann Bene­dict Lis­ting und August Fer­di­nand Möbi­us beschrie­ben, nach dem die drei­di­men­sio­na­le Form den Namen Möbi­us­band erhielt. Doch erst im Jahr 2007  (E. L. Sta­ros­tin & G. H. M. van der Heijden„The shape of a Möbi­us strip“, Natu­re Mate­ri­als 6, 563 – 567, 2007) ist es Mathe­ma­ti­kern gelun­gen, eine For­mel zur Berech­nung der drei­di­men­sio­na­len Raum­form zu fin­den, die ledig­lich eine umlau­fen­de Kan­te und eine Flä­che besitzt. Welt­wei­tes Auf­se­hen erre­gen bis heu­te die gra­fi­schen Arbei­ten des Künst­lers M.C. Escher, der sich in sei­nem Werk viel­fach mit opti­schen Wahr­neh­mungs­täu­schun­gen und per­spek­ti­vi­schen Unmög­lich­kei­ten aus­ein­an­der­ge­setzt hat.

Aus dem Prin­zip der anschau­lich sehr ein­fa­chen, doch mathe­ma­tisch hoch­kom­ple­xen Form des Möbi­us­ban­des wird mit Hil­fe von Papier, Far­be und Licht eine Raum­skulp­tur ent­wi­ckelt und modell­haft dar­ge­stellt. Im ers­ten Schritt erfolgt die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem geo­me­tri­schen Prin­zip des Möbi­us­ban­des. Dazu wer­den Model­le ange­fer­tigt, über die das Prin­zip in der Flä­che erfasst und beschrie­ben wird. Im Anschluss wir die Flä­chen­form in eine Kör­per­form über­führt. Krea­ti­ve Expe­ri­men­te mit ver­schie­de­nen Mate­ria­li­en und geeig­ne­ten Fund­stü­cken aus der Natur und Pro­dukt­welt zei­gen, wie sich aus der zwei­di­men­sio­na­len Geo­me­trie des Ban­des phan­ta­sie­vol­le drei­di­men­sio­na­le Kör­per­for­men bil­den las­sen.

Die Vari­anz der Schü­ler­ar­bei­ten zeigt den Ein­fluss der Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten auf die Ide­en­fin­dung und den bil­de­ri­schen Pro­zess. Die Bespre­chung der Arbei­ten ver­tieft die prak­tisch gewon­ne­ne Erkennt­nis, nach der sich die Ästhe­tik flä­chi­ger Mate­ria­li­en mit der Trans­for­ma­ti­on in die Raum­form wan­delt. Acht­los weg­ge­wor­fe­ne Pro­duk­te oder unschein­ba­re Natur­ma­te­ria­li­en kön­nen fas­zi­nie­ren­de Eigen­schaf­ten im Raum ent­wi­ckeln. Mathe­ma­tik hin­ge­gen beschreibt das, was allen Objek­ten gemein ist, das Form­prin­zip, wel­che sich hin­ter der Viel­falt an mate­ri­el­len Erfin­dun­gen ver­birgt, die den künst­le­ri­schen Schaf­fens­pro­zess kenn­zeich­nen. Im letz­ten Schritt wer­den grund­le­gen­de Erfah­run­gen mit der Bild­pro­jek­ti­on von Kör­pern im Raum gesam­melt, was das räum­li­che Vor­stel­lungs­ver­mö­gen sowie das Den­ken in räum­li­chen Kate­go­ri­en för­dert und somit in Kunst und Mathe­ma­tik von Nut­zen ist. Die Ler­nen­den expe­ri­men­tie­ren mit far­bi­gen Schat­ten­pro­jek­tio­nen ihrer Möbi­us­ob­jek­te, deren zwei­di­men­sio­na­le Ansich­ten ihnen den per­spek­ti­vi­schen Zusam­men­hang zwi­schen Betrach­ter, Objekt und Licht­quel­le in Bild und Raum ver­deut­li­chen. Der Lern­er­folg kann durch Foto­gra­fi­en und Zei­chun­gen der Objek­te im Kon­text ihrer Schat­ten­bil­der wei­ter ver­tieft wer­den.

Aus­ga­be Mai Heft 3 / 2013: Drei­di­men­sio­na­les Gestal­ten

14.05.13 in Wissenstransfer
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