Medienkunstinstallation Sinneslandschaften

Interaktive generische 360° Rauminstallation im GRASSIMUSEUM Leipzig

Am 4. März 2012 hat das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig den dritten Teil seiner Ständigen Ausstellung eröffnet. Der Ausstellungsrundgang beginnt beim Jugendstil und endet mit der interaktiven Rauminstallation "Sinneslandschaften" in der Gegenwart.

Generativer Sinnesraum zur Aktivierung der Kreativität aller Ausstellungsbesucher

Die Besuch­er erzeu­gen und gestal­ten über jede Kör­per­be­we­gung einen immer­siv­en Raum aus Farbe, Licht, Form, Tex­tur, Bewe­gung und Klang. Das klas­sis­che Ver­hält­nis zwis­chen Betra­chter und Exponat kehrt sich voll­ständig um, weshalb sich jed­er Besuch­er plöt­zlich im Mit­telpunkt eines kreativ­en Schaf­fen­sprozess­es befind­et. Alle Aktio­nen bee­in­flussen sich wech­sel­seit­ig, was den Gestal­tung­sprozess als Gemein­schaft­ser­leb­nis erfahrbar macht.

In Ergänzung zur indi­vidu­ellen Werkrezep­tion beim Rundgang wird der Besuch­er in den „Sin­nes­land­schaften“ erneut mit allen Stile­pochen kon­fron­tiert, nur das dies­mal der Fokus auf dem schöpferischen Denk- und Her­stel­lung­sprozess liegt. Während sich die Atmo­sphäre des Raums durch immer neue Stilele­mente immer weit­er füllt und verdichtet, sor­gen radikale Wech­sel oder allmäh­liche Übergänge immer wieder für einen Neuan­fang. Jed­er begin­nende Stil schafft Platz für neue Erfind­un­gen, was der Besuch­er in sein­er aktiv­en Rolle als Gestal­ter mit seinen Seh-, Hör- Bewe­gungs- und Gle­ichgewichtssin­nen explo­ri­eren kann. Die Band­bre­ite der Epochen wird vom orna­men­tal­en Schwung des Jugend­stils eröffnet und endet im offe­nen Erwartungsraum der Gegen­wart. Inmit­ten ein­er frag­men­tierten Bilder­flut, die sich beständig über die Verknüp­fung zu glob­alen Kun­st- und Design­foren im Inter­net speist und aktu­al­isiert, trifft der Besuch­er selb­st die Wahl, welchem Pfad er fol­gen will. Bewegt er sich auf ein inter­es­santes Bild­frag­ment zu, öffnet sich ein neuer Raum, über den seine gedanklichen Ori­en­tierun­gen für alle Anwe­senden Gestalt wer­den. Am Wan­del der Stilpe­ri­o­den wird deut­lich, dass jed­er kreative Gestal­tungsakt mit einem Neuauf­bruch begin­nt, der zum Ver­lassen bekan­nter Denk- und Ver­hal­tens­muster auf­fordert. Ohne den Willen zur Verän­derung und das aktive Tun verblassen die „Sin­nes­land­schaften“ und wer­den Teil der indi­vidu­ellen Erin­nerung.

Experimentierlabor zur spielerischen Vermittlung von Gestaltungsprozessen

Die voll­ständig über math­e­ma­tis­che Codes gener­ierte naht­lose 360° Pro­jek­tion, welche jede Bewe­gung im Raum erfasst und in audio­vi­suelle Struk­turen über­set­zt, ist weltweit zum ersten Mal in ein­er kün­st­lerischen Anwen­dung zu sehen. Die „Sin­nes­land­schaften“ sind das neue Exper­i­men­tier­la­bor des „Gras­simu­se­ums“, in dem zeit­genös­sis­che Kun­st entste­ht und im Forschung­sprozess begleit­et wer­den kann. Jün­gere Ziel­grup­pen erfahren das Muse­um als Ort, in dem Verbindun­gen zwis­chen der Geschichte und Gegen­wart der ange­wandten Kun­st und des Designs auf spielerische Weise erlebt und erkun­det wer­den kön­nen. Die com­put­er­gener­ierten Sitzele­mente lassen sich frei im Raum ver­schieben und über Fügun­gen zu Inseln kom­binieren. Ihre kristalline Form weist keine klaren Bezugsebe­nen auf, was das Gefühl der Des­ori­en­tierung bestärkt und das Gle­ichgewichts­ge­fühls beein­trächtigt. Der White Cube bildet das Inter­face, in dem jede zufäl­lige oder hand­lungsmo­tivierte Bewe­gung unmit­tel­bar Gestalt annimmt. Die mod­erne gen­er­a­tive Tech­nik, beste­hend aus der grafis­chen Entwick­lung­sumge­bung „vvvv“, ein­er 360°- Pro­jek­tion­s­ma­trix, einem 8-Kanalau­diosys­tem sowie inter­ak­tiv­en Bewe­gungssen­soren aus Infrarotschein­wer­fer und Videokam­eras bleibt dage­gen nahezu unsicht­bar. Alle Ver­hal­tenszustände wer­den per­ma­nent von ein­er daten­stro­mori­en­tierten Pro­gram­mier­sprache aus­gew­ertet und in fest­gelegte Gestal­tungspa­ra­me­ter zer­legt. Hun­derte von Nodes bilden eine Stil­ma­trix, die sich jeden Augen­blick for­ten­twick­elt und den­noch offen ist für kreative Ein­fälle. Der Zufall wird hier­durch zum beständi­gen Ideenge­ber und Moti­va­tor. Dig­i­tale Impulse wer­den in For­men, Far­ben, Muster, Bewe­gun­gen und Töne über­set­zt und in den White Cube pro­jiziert, dessen Gren­zen, Pro­por­tion, Dimen­sion­al­ität und Atmo­sphäre hier­durch beständig neu gener­iert wird. Kein Bild gle­icht dem Anderen. Alles ist Vari­a­tion und gestalt­suchende Verän­derung.

Die inter­ak­tive Rau­min­stal­la­tion „Sin­nes­land­schaften“ wurde in Zusam­me­nar­beit mit dem Gras­si-Muse­um von einem Team um Axel Buether entwick­elt. Dem Team gehören Sebas­t­ian Huber, Johannes Tim­per­nagel, Robert Pohle und Isabel­la Kola­ta sowie Marko Rit­ter, Jakob Korn und Ingolf Hein­sch an.


“Jugendstil bis Gegenwart”

Ständi­ge Ausstel­lung im Gras­simu­se­um, ab 4. März 2012
GRASSI Muse­um für Ange­wandte Kun­st
Johan­nis­platz 5–11
04103 Leipzig
Öff­nungszeit­en: Di–So, inkl. Feiertage 10–18 Uhr

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Fernse­hbeitrag, Rund­funk­in­ter­view, Press­espiegel und weit­ere Down­loads

02.03.12 in Praxis
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