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	<title>immersives Erlebnis-Archiv - Farbpsychologie</title>
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	<title>immersives Erlebnis-Archiv - Farbpsychologie</title>
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		<title>Raumdenken und Gehirn</title>
		<link>https://axelbuether.de/2024/raumdenken-und-gehirn-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Buether]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2024 10:46:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Vorträge & Publikationen]]></category>
		<category><![CDATA[Immersion]]></category>
		<category><![CDATA[immersiver Raum]]></category>
		<category><![CDATA[immersives Erlebnis]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Abstract Das technische, inhaltliche und dramaturgische Potenzial von 360°-Projektionen eröffnet einen Experimentierraum, in dem wir realistischere und fantastischere Welten schaffen sowie komplexere Probleme darstellen und lösen können, als mit allen bisher bekannten audiovisuellen Medien. Durch die sphärische Projektion von Informationen erhalten wir ein anschauliches Sprachsystem, das der Verarbeitung von räumlich-visuellen Daten im Gehirn weitaus näher [&#8230;]</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="681" height="1080" src="https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-681x1080.jpg" alt="" class="wp-image-10176" srcset="https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-681x1080.jpg 681w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-484x768.jpg 484w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-323x512.jpg 323w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-768x1217.jpg 768w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-15x24.jpg 15w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-23x36.jpg 23w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection-30x48.jpg 30w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Fullspace_Projection.jpg 827w" sizes="(max-width: 681px) 100vw, 681px" /></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Abstract</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das technische, inhaltliche und dramaturgische Potenzial von 360°-Projektionen eröffnet einen Experimentierraum, in dem wir realistischere und fantastischere Welten schaffen sowie komplexere Probleme darstellen und lösen können, als mit allen bisher bekannten audiovisuellen Medien. Durch die sphärische Projektion von Informationen erhalten wir ein anschauliches Sprachsystem, das der Verarbeitung von räumlich-visuellen Daten im Gehirn weitaus näher kommt, als die verfügbaren Standardbildformate. Hierdurch können alle sinnlich erfahrenen und kognitiv erkannten Umweltbeziehungen weitaus besser als bisher auf anschauliche und auditive Weise zur Sprache gebracht werden. Auch wenn ich mich in diesem Beitrag auf das visuelle Potenzial beschränken muss, sollen die aufgezeigten gemeinsamen Strukturen zwischen der Wort- und Bildsprache zur Nutzung von Synergien anregen und die Lesbarkeit von Botschaften fördern. Das Informationspotenzial von 360°-Projektionen wird sich in dem Maß auf unser Kommunikationsverhalten, die Umweltgestaltung sowie unsere Intelligenzentwicklung auswirken, wie es uns gelingt, die damit verbundenen sinnesphysiologischen und kognitiven Anforderungen zu verstehen und in lebenspraktische Anwendungen zu überführen.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="801" height="842" src="https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether.jpg" alt="" class="wp-image-10185" srcset="https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether.jpg 801w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether-731x768.jpg 731w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether-487x512.jpg 487w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether-768x807.jpg 768w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether-24x24.jpg 24w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether-34x36.jpg 34w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2024/10/Immersion-Psychologie-Buether-46x48.jpg 46w" sizes="(max-width: 801px) 100vw, 801px" /><figcaption class="wp-element-caption">Screenshot</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Wie 360° Projektionen unsere Intelligenzentwicklung fördern können</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das technische, inhaltliche und dramaturgische Potential von 360° Projektionen<br>eröffnet uns einen Experimentierraum, in dem wir realistischere und phantastischere<br>Welten schaffen sowie komplexere Probleme darstellen und lösen können, als mit<br>allen bisher bekannten audiovisuellen Medien. Durch die sphärische Projektion von<br>Informationen erhalten wir ein anschauliches Sprachsystem, das der Verarbeitung<br>von räumlich-visuellen Daten im Gehirn weitaus näher kommt, als die verfügbaren<br>Standardbildformate. Hierdurch können wir alle sinnlich erfahrenen und kognitiv<br>erkannten Umweltbeziehungen weitaus besser als bisher auf anschauliche und<br>auditive Weise zur Sprache bringen. Auch wenn ich mich in diesem Beitrag auf das<br>visuelle Potential beschränken muss, sollen die aufgezeigten gemeinsamen<br>Strukturen zwischen der Wort- und Bildsprache zur Nutzung von Synergien anregen<br>und die Lesbarkeit unserer Botschaften fördern. Das Informationspotential von 360°<br>Projektionen wird sich daher in dem Maß auf unser Kommunikationsverhalten, die<br>Umweltgestaltung sowie unsere Intelligenzentwicklung auswirken, wie es uns gelingt,<br>die damit verbundenen sinnesphysiologischen und kognitiven Anforderungen zu<br>verstehen und in lebenspraktische Anwendungen zu überführen.<br>Die nahezu perfekte Immersion stellt unsere visuelle Wahrnehmung, unsere<br>anschauliche Vorstellungskraft sowie unser räumliches Denken vor große<br>Herausforderungen, denen wir durch die bloße Übertragung unserer Konzepte aus<br>der Arbeit mit konventionellen rechteckigen Bildmedien nicht gerecht werden. Gestik,<br>Typos, Topos und Perspektive konventioneller Bildmedien sind auf den Ausschnitt<br>optimiert, in dem sich das gesamte Geschehen wie auf einer Bühne<br>zusammendrängt. In diesen exakt vorgezeichneten Handlungsbereich taucht der<br>Betrachter ein, der im Sinne der selektiven Suche nach Information weitgehend<br>passiv bleibt, während er seine eigene Rolle im Kommunikationsprozess sowie das<br>Geschehen rund um den Rand des Bildmediums permanent verdrängt. Was passiert<br>mit uns, wenn wir diese Grenze plötzlich nicht mehr wahrnehmen? Wie reagieren wir,<br>wenn wir selbst plötzlich mit auf der Bühne stehen und zum Teil des Geschehens<br>werden? Welche neuen Möglichkeiten ergeben sich hieraus für Medientheoretiker,<br>Mediengestalter und Medienverwender?<br>Das menschliche Genom hat sich seit 100.000 Jahren nicht weiter verändert. Die<br>kulturelle Evolution gründet sich daher weitgehend auf die Entwicklung von<br>räumlichen Kommunikationssystemen, die wir in Form unserer Siedlungsräume,<br>Infrastrukturen, Wissensarchive, Artefakte, Sprachen und Netzwerke global und<br>generationsübergreifend gebrauchen. Jede innovative anschauliche<br>Darstellungstechnik führt daher zwangsläufig zur Weiterentwicklung unserer<br>visuellen Intelligenz, die sich auf Grund der Plastizität unserer Gehirnstrukturen<br>lebenslang fördern lässt. Sphärische 360° Projektionen erfordern neue formale,<br>inhaltliche und dramaturgische Strategien im Umgang mit Bildmedien, die wiederum<br>tiefgreifende Veränderungen in den auditiven Bereichen Sprache, Geräusch und<br>Musik nach sich ziehen. Dieser Beitrag soll ein Bewusstsein für die Komplexität<br>dieser Thematik schaffen und die davon ausgehenden Herausforderungen für unser<br>Raumdenken aufzeigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wieso wir Raum im Gehirn konstruieren und um uns herum wahrnehmen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umwelt ist uns nicht objektiv erkennbar, da wir von ihr lediglich eine lebenspraktische Vorstellung entwickeln können, die von der Leistungsgrenze und<br>genetischen Disposition unseres Nervensystems begrenzt wird. Dieses besteht aus<br>einem zentralen und einem peripheren Teil, die gemeinsam ein selbstreferenzielles<br>System entstehen lassen, das durch interne und externe Kommunikationsprozesse<br>Informationen generiert. Im Zentrum befindet sich das Gehirn, während die<br>Peripherie die Grenze zwischen Körper und Raum bildet. Die Aktivitäten in der<br>Netzhaut unserer Augen steuern die Informationserzeugung im Gehirn, was zugleich<br>auf diese Prozesse und den gesamten Körperzustand zurückwirkt. Alles ist durch die<br>Nervenbahnen mit Allem verknüpft, weshalb jede interne Veränderung ebenso zu<br>einer Neustrukturierung der sichtbaren Welt führt, wie externe Vorgänge oder unsere<br>eigenen Handlungen.<br>Farbe und Licht sind keine universellen Größen, sondern menschliche<br>Wahrnehmungen, die wir als Phänomene erleben. Über die Erscheinungsweisen<br>unseres Lebensraumes haben wir Zugang zum energetischen Potential der Umwelt,<br>das wir beständig für das Überleben und die kulturelle Fortentwicklung unserer<br>Spezies nutzen. Unsere kognitiven Leistungen entwickeln sich in Abhängigkeit von<br>unseren anwendungsbezogenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Gebrauch der<br>einzelnen Sinnessysteme im Erkenntnis- und Verständigungsprozess. Aus der<br>weiterführenden Erforschung der physiologischen Grundlagen für die menschliche<br>Sehfähigkeit bis hin zu den bewusstseinsfähigen Verarbeitungsregionen des Gehirns<br>hat sich herausgestellt, dass es sich hierbei um eine spezifische Form der<br>Erkenntnistätigkeit handelt. Das Sehen ist ein bewusstseinsbildender Prozess,<br>dessen Ergebnis sich in den neuronalen Strukturen unseres Nervensystems<br>repräsentiert. Hieraus wird deutlich, in welcher Form wir über räumlich-visuelle<br>Informationen von unserer natürlichen und soziokulturellen Umwelt lernen und wie<br>sich gleichzeitig mit der Zunahme an Wissen auch das Leistungsvermögen unseres<br>Gehirns steigert. Die Strukturen dieses neuronalen Erkenntnismodells bilden im<br>Moment den Gegenstand für einen der spannendsten Diskurse in den<br>Wissenschaften. Nach Ansicht einiger Vertreter der Neurowissenschaften, wie<br>Gerhard Roth und Wolf Singer spiegelt die „Welt in unserem Kopf“ lediglich das<br>Zwischenergebnis eines interkulturellen und generationsübergreifenden<br>Konstruktionsprozesses wider.<br>Die heute im Bereich der Neurowissenschaften weitgehend akzeptierte<br>Repräsentationshypothese zeigt, dass sich jedes Individuum im Verlauf seiner<br>Individualentwicklung ein subjektives Referenzmodell seiner eigenen<br>Lebenswirklichkeit aus den Konsequenzen seiner Handlungen konstruiert. Moderne<br>bildgebende Verfahren, wie die Magnetresonanztomographie (MRT), erlauben uns<br>heute erste Einblicke in die Funktionsweise unseres Gehirns, da wir die neuronale<br>Resonanz auf gedankliche und emotionale Prozesse sichtbar machen können. Doch<br>nicht nur die Bilder, die wir unseren Probanden zeigen, sondern der gesamte Raum<br>um uns herum, sind Konstruktionen unseres Gehirns, die wir in den Außenraum der<br>Umwelt hinein projizieren. Die Umwelt ist uns nur über den Filter unserer Sinne<br>erkennbar, auch wenn sie die Ursache unserer Wahrnehmungen und die Matrix<br>unserer Handlungen bildet. Sowohl die Räumlichkeit, wie auch die<br>Interaktionsmöglichkeiten von sphärischen 360° Projektionen weisen einen Weg,<br>über den wir die Arbeitsweise unseres Gehirns wie in einem Spiegel sichtbar machen<br>können. Wenn 360° Projektionen systematisch für Forschung und innovative<br>Anwendungen eingesetzt werden, könnten hiervon in Zukunft noch viele Impulse für<br>eine Weiterentwicklung unserer Fähigkeit zum Raumdenken ausgehen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie aus 360° Projektionen leistungsfähige räumliche Sprachsysteme werden</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Strukturierung des anschaulichen Wahrnehmungs- und Vorstellungsraums spiegelt sich in der semantischen Bedeutungsstruktur und der syntaktischen Handlungsstruktur der Wortsprache wider. Die „Grammatik des Sehens“ ist evolutionär weitaus älter als die Herausbildung der Wortsprache, deren Prinzipien auf unseren Anschauungen und ihren Verknüpfungsmöglichkeiten basieren. Unser Kulturraum weist einen weitaus höheren Grad an sprachlicher Vorstrukturierung auf, als der Naturraum, da wir ihn generationsübergreifend über den Beobachtungs- und Gestaltungsprozess an unsere Bedürfnisse angepasst haben. Unsere Siedlungsräume, Gebrauchsgegenstände, Kunstwerke und Kommunikationsmedien haben sich in einem kontinuierlichen Verständigungsprozess entwickelt. Wie unser Gehirn Raum konstruiert, können wir daher an der kulturellen Transformation des Naturraums erkennen. Der Kulturraum ist auf eine Weise gestaltet, nach der uns alle Orte und Dinge auf anschauliche Weise über ihre Lage (Topos) und ihren Gebrauchszweck (Typos) informieren. Im Gehirn konstruieren wir uns von Geburt an den „Anschauungsraum“ als Metarepräsentation aller sinnlich erfahrenen Bedeutungen. Aus dem Zusammenhang zwischen dem visuellen Zeichen und dem davon bezeichneten Inhalt wird deutlich, warum wir Materialien, Formen, Konstruktionen, Proportionen, Gerüche, Klänge, Emotionen, Verhaltensweisen und Handlungszusammenhänge sehen und über anschauliche Kulturtechniken bildnerisch, körperlich sowie räumlich zur Sprache bringen können. Der Anschauungsraum ist für uns nicht ein Sinnesraum unter vielen, sondern er bildet den gemeinsamen Sinn- und Bedeutungshorizont unserer haptischen, kinästhetischen, vestibulären, akustischen, gustatorischen und olfaktorischen Erfahrungen. Es handelt sich um ein kausales Beschreibungsmodell, in dem wir alle erfahrenen Wirkungen aus dem Prozess der multisensualen Auseinandersetzung mit der Umwelt nach den Prinzipien der Kausalität, Kontingenz und Wahrscheinlichkeit systematisieren. Die Ursachen projizieren wir auf die Umwelt, weshalb wir deren Erscheinungsweisen nicht mehr nur als Farb- und Lichtphänomene wahrnehmen, sondern als bedeutsame Bestandteile eines Zeichensystem. Was sich vor unseren Augen wiederholt ereignet, wenn wir mit allen Sinnen agieren und reagieren, erzeugt die kausalen Beziehungen zwischen den räumlich-visuellen Zeichen und deren inhaltlichen Bedeutungen. Diese assoziative Verknüpfungsstruktur unseres Anschauungsraums aktualisieren wir zeitlebens, damit sie uns jederzeit möglichst widerspruchsfrei und verständlich bleibt. Die Entdeckung der semantischen Beziehung zwischen einem räumlich-visuellen Zeichen und der hiervon bezeichneten Bedeutung bildet die Voraussetzung für dessen syntaktische Verknüpfung mit dem Kontext der Kommunikationssituation. Auch in der Lautsprache bleibt ein einzelner Begriff solange zusammenhanglos, bis der Leser sich dessen Bedeutung über den Satzgebrauch oder den Kontext der Verwendungssituation erschließen kann. Die Konzeption und Gestaltung von 360° Projektionen sollte daher in Bezug auf die sprachliche Struktur der visuellen Zeichen erfolgen. Der Blick in die Panoramakuppel zeigt nicht nur ein Bild, sondern ein räumliches Zeichensystem, über dessen semantische und syntaktische Strukturen ein gezielter Dialog mit der Zielgruppe aufgenommen und gestaltet werden kann. Die Nachhaltigkeit jeder Botschaft repräsentiert sich in den gedanklichen und emotionalen Anregungen, welche die Zielgruppe von dem Erlebnis mitnimmt. Das einzigartige Kommunikationspotential von 360° Projektionen offenbart sich erst dann, wenn wir es als Erkenntnis- und Verständigungs- sowie Problemlösungs- und Vermittlungsmedium entwickeln. Die neue Ästhetik folgt der Sprachfunktion ganz von selbst, was sich bis heute an jeder Kommunikationstechnik gezeigt hat. Alle Zeichen im Bildraum stehen über ihre Bedeutungen untereinander in Verbindung, weshalb sich nichts hinzufügen oderwegnehmen lässt, ohne dass sich die Botschaft verändert. Damit die Inhalte und ihre Gesamtaussage wahrgenommen werden können, sollte der Umgang mit den Ereignissen im Projektionsraum möglichst sparsam erfolgen. Ästhetik ist kein Selbstzweck, sondern eine Funktion, die der Lesbarkeit unserer Ideen dient!</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum sich unser Sehen nur aus dem Kontext der Kommunikationssituation erklären lässt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Von den Augen werden die vorstrukturierten Farb- und Lichtsignale über unsere<br>Sehnerven zum Stammhirn weitergeleitet, wo sie nach ungefähr 60 Millisekunden mit<br>allen anderen simultan eintreffenden Sinnesdaten abgeglichen werden. Hierdurch<br>werden bereits nach etwa 100 Millisekunden angeborene Verhaltensmuster und<br>Reflexe aktiviert. In dieser Phase nehmen wir noch keine konkreten Inhalte der<br>Umgebungssituation wahr, da sich unser Körperzustand unwillkürlich und unbewusst<br>auf das erwartete Ereignis vorbereitet. 360° Räume wirken immer atmosphärisch, da<br>sich unser Erregungs- und Gefühlszustand nicht nur auf konkrete Inhalte, sondern<br>auch auf Phänomene, wie Farbe, Licht, Klang, Form und Bewegung, einstimmt. Alles,<br>was wir bei 360° Projektionen tun oder lassen, wirkt auf den Betrachter. Ist es am<br>Beginn oder bei einem Szenewechsel hell oder dunkel? Erscheint uns das erste<br>Ereignis monochrom oder polychrom? Wie schnell beginnen die Bewegungen?<br>Sehen wir anfangs bereits Formen oder tauchen wir zuerst in die Atmosphäre ein?<br>Hören wir etwas, bevor wir etwas sehen? Werden verstehbare Worte und Musik an<br>uns herangetragen oder erleben wir erst eine Geräuschkulisse oder einen<br>Klangraum?<br>Im visuellen Cortex werden die von den Augen kommenden Signale weiterverarbeitet<br>und über zwei Hauptverarbeitungsströme parallel zu unseren Gedächtnisarealen<br>geleitet. Der zum deklarativen Gedächtnis verlaufende „Wo-Strom“ dient der<br>Bewegungs-, Handlungs-, und Positionswahrnehmung, während uns der zum<br>semantischen Gedächtnis verlaufende „Was-Strom“ die Identifikation von Dingen<br>nach ihrer Bedeutung ermöglicht. Jedes Ereignis im Bildraum wird daher zum einen<br>nach seiner inhaltlichen Bedeutung bewertet, zum anderen nach seiner Aufgabe im<br>Handlungskontext der gesamten Präsentationssituation. Nicht nur was wir projizieren,<br>sondern ebenso, wohin wir etwas plazieren, wem es nahe kommt und wem es fern<br>bleibt, von wo es sich her- und wo es sich hinbewegt, hat formale, inhaltliche und<br>dramaturgische Konsequenzen auf die Botschaft.<br>Die Ergebnisse unserer Deutungstätigkeit können mehrdeutig sein, weshalb noch ein<br>weiterer Verarbeitungsschritt im Gehirn folgt, bis wir das Ergebnis der<br>Informationsgenerierung im Gehirn auch in räumlich-visueller Form zu Gesicht<br>bekommen. Die visuellen Datenströme enden und beginnen in den motorischen und<br>emotionalen Steuerungszentren des Gehirns.<br>Im letzten Verarbeitungsschritt werden die erzeugten Informationen bewertet, was<br>entscheidet, welche Informationen am Ende in das Arbeitsgedächtnis gelangen.<br>Unser Arbeitsgedächtnis, dessen Inhalt über unsere bewussten visuellen<br>Wahrnehmungen entscheidet, hat im Vergleich mit dem Langzeitgedächtnis eine<br>sehr geringe Speicherkapazität. Hier bietet sich ein Vergleich mit dem Computer an,<br>bei dem die Inhalte von der ebenfalls weitaus größeren Festplatte zur Verarbeitung in<br>den Arbeitsspeicher geladen werden müssen. In diesem Sektionsprozess der<br>potentiellen Informationen zählt die Ratio ebenso wie das Gefühl, wobei letztendlich<br>ein Kriterium von entscheidender Bedeutung ist: Was uns nicht interessiert, nehmen<br>wir auch nicht wahr! Alle für uns unbedeutenden oder unzusammenhängenden Wahrnehmungen werden unterdrückt und verbleiben im Hintergrundbewusstsein.<br>Durch die Selektion von bedeutsamen Informationen schützt sich unser Gehirn vor<br>einer Reizüberflutung, was das Überleben unserer Spezies bis heute gesichert hat.<br>Dieser Zusammenhang wirkt sich maßgeblich auf die Konzeption und Umsetzung<br>von 360° Projektionen aus, bei denen sich die Aufmerksamkeitssteuerung weitaus<br>schwieriger gestaltet, als bei konventionellen Formaten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von der Bewegungsdynamik zur Handlungsspur</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Durch die Fähigkeit zur Verfolgung von beweglichen Zielen müssen wir auf den<br>totalen Raumüberblick verzichten, wie ihn z.B. Kaninchen erleben. Durch ihre seitlich am Kopf befindlichen Augen, deren Radien sich vorne und hinten überlappen, bildet sich ein Gesichtsfeld von 360°. Durch der Fähigkeit zur Rundumsicht verringert sich die räumliche Auflösung des Gesichtsfeldes jedoch deutlich, wenn man sie mit den Spezies vergleicht, die über bewegliche Augenpaare verfügen. Mit dem<br>panoramaartigen Gesichtsfeld ist ein Rückgang aller Form-, Farb- und<br>Bewegungsinformationen verbunden. Der Mensch dagegen kann durch seine beiden<br>engstehenden Augen, deren Netzhautareale zudem nur ein winziges Feld aufweisen,<br>auf dem der projizierte Inhalt hochaufgelöst und scharf erscheint, lediglich einen<br>Ausschnitt von 2° seines Umraums fixieren. Erst durch die Blickbewegungen<br>verknüpfen sich die einzelnen Fixationen zu einem fortlaufenden Geschehen. Der<br>gesamte periphere Bereich der Netzhaut dient der Blickführung, weshalb es<br>ausreicht, dass dieser Bereich weit weniger Rezeptoren aufweist und daher<br>schemenhaft bleibt. Am besten stellen wir uns das statische Netzhautbild wie eine<br>ständig beschlagene große Fensterscheibe vor, durch die lediglich ein diffuses Bild<br>der Umgebung dringt, während sich im Zentrum eine winzige klare Stelle zeigt. Mit<br>unseren Blickbewegungen zeichnen wir eine Spur in das diffuse Feld aus<br>schemenhaften Ereignissen, die uns ausschließlich in den Ruhephasen deutlich<br>sichtbare Wahrnehmungen erlaubt. Durch die hohe Geschwindigkeit der Fixierungen<br>und die verzögerte Reaktion des Wahrnehmungsapparates haben wir den Eindruck,<br>dass sich vor unseren Augen ein räumliches, bewegtes, farbiges, scharfes und<br>detailreiches Bild der Umgebung befindet, das uns einen Spielraum für Interaktionen<br>eröffnet.<br>Der evolutionäre Vorteil von engstehenden beweglichen Augen liegt in der Fähigkeit<br>zur Fixation von beweglichen Zielen. Aus den Vektordaten berechnet unser Gehirn<br>bekannte Handlungsmuster und Bewegungsverläufe, was uns die Fähigkeit zur<br>Voraussicht ermöglicht. Nicht umsonst findet sich der bewegliche Augentyp<br>vorwiegend bei Raubtieren, deren Gehirne die Bewegungsintentionen ihrer meist<br>schnelleren und wendigeren Beute vorausberechnen können, was ihnen die Planung<br>und Optimierung ihrer Aktionen erlaubt.<br>Für die 360° Projektion besitzen die Bewegungsdynamiken des Bildes eine<br>besondere Bedeutung, da sie sowohl den Handlungsfaden, wie auch die<br>Dramaturgie der Erzählung vorgeben und hierdurch die Erwartungshaltung des<br>Betrachters steuern. Aus der räumlichen und zeitlichen Konzeption der Ereignisse im<br>gesamten 360° Projektionsraum resultieren die Lesebewegungen unserer Zielgruppe,<br>deren Blickrichtung wir damit aus der Ferne führen können. Sowohl die Orte, auf<br>denen unser Blick ungewöhnlich lang verweilt, als auch die Spur, die wir mit unseren<br>Augenbewegungen zeichnen, geben anderen Menschen Einblick in unsere<br>Gedanken und Gefühle. Manche unserer Absichten kündigen sich durch unseren<br>vorauseilenden Blick an, über den wir geplante Handlungen vor der Ausführung<br>gedanklich antizipieren. Jedes visuelle Ereignis kennzeichnet einen<br>Verhaltenszustand und eine Handlungsspur, die sich für unser „geistiges Auge“ von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft abzeichnet.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie das Gesichtsfeld und Blickfeld die Raumwahrnehmung bestimmen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Etwa 50° beträgt das Blickfeld, das der Mensch als natürlich empfindet, da seine<br>Augen in diesem Bereich ihre maximale Beweglichkeit besitzen und daher lange Zeit<br>schnelle Fixationsbewegungen ausführen können. Wir sind so daran gewöhnt, dass<br>sich dieser Winkel als Standardbrennweite aller Kameraobjektive und Projektoren<br>durchgesetzt hat. Auch bei der Bildbetrachtung orientieren wir uns intuitiv an diesem<br>Abstand und nehmen je nach Größe des Exponats eine entsprechende Entfernung<br>ein. Wir spüren, wenn wir diesen Winkel unter- oder überschreiten, was wir durch die<br>Veränderung unseres Betrachtungsabstandes bewusst herbeiführen oder korrigieren<br>können. Wird der Standpunkt eines Betrachters auf ein Blickfeld fixiert, wie etwa<br>durch die Vorgabe einer Sitzposition, muss sich die Größe der Projektionsfläche<br>daran orientieren. Erst dann können alle handlungstragenden Inhalte vom Betrachter<br>in der zur Verfügung stehenden Zeit erfasst werden. Ist das Bildformat größer oder<br>unser Abstand zu gering, verschwinden die Randbereiche im peripheren<br>Gesichtsfeld, das in horizontaler Ausdehnung etwa 180° und in vertikaler Richtung<br>etwa 130° umfasst, wovon 60° oberhalb und 70° unterhalb des Bildhorizonts liegen.<br>Während sich das hieraus folgende Bildformat durch Standardisierungen, die vom<br>„Goldenen Schnitt“ bis zur DIN reichen, durchgesetzt hat, gab und gibt es seit<br>Jahrtausenden immer wieder Abweichungen von dieser ergonomisch bedingten<br>Norm. Wo immer Bilder Wand- oder gar Raumfüllend verwendet wurden, findet sich<br>der Betrachter mitten im virtuellen Geschehen wieder.<br>Im Regelfall nutzen wir von unserem Gesichtsfeld jedoch meist nur das sogenannte<br>Gebrauchsblickfeld, welches lediglich einen Raumausschnitt von 40° abdeckt. Zur<br>Vermeidung von Ermüdungserscheinungen bewegen wir unsere Augen nur in einem<br>Radius, der etwa 20° rechts und links vom vorgegebenen Blickpunkt liegt. In<br>vertikaler Richtung führen wir dabei Blickhebungen von 10° und Blicksenkungen von<br>30° aus. Während dieses eingeschränkte Blickfeld bei Standardformaten problemlos<br>eingehalten werden kann, indem die Komposition zentral und mit etwas Entfernung<br>zum Bildrand angeordnet wird, muss für Konzeptionen von 360° Projektionen ein<br>völlig neuer Ansatz gefunden werden. Das Problem lässt sich an einem Beispiel<br>verdeutlichen. Bei einem Tennisspiel können die parallel zum Netz sitzenden<br>Zuschauer wahlweise das Geschehen auf jeweils einer Seite des Spielfeldes<br>verfolgen oder ihre Aufmerksamkeit auf den Weg des Balls konzentrieren, was ihnen<br>permanente Kopfwendungen abverlangt. Allein die Totalaufnahme einer<br>Fernsehkamera erlaubt uns den Überblick, da wir hierdurch das gesamte Geschehen<br>im Standardbildformat präsentiert bekommen. Da wir in panoramaartigen<br>sphärischen Projektionsräumen lediglich ein kreisrundes Feld von etwa 40° simultan<br>überblicken, bekommen wir die restlichen 320° des Geschehens nur durch gezielte<br>Kopfwendungen zu Gesicht, die genügend Bewegungsfreiheit und eine maßgeblich<br>längere Reaktionszeit erfordern. Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet ist die<br>Bindung des Betrachters an einen festen Sitz- oder Stehplatz kontraproduktiv. Wie in<br>einem ausgemalten Kirchenraum möchten wir die einzigartige Atmosphäre auf uns<br>wirken lassen und uns frei im Raum bewegen. Das Innovationspotential von 360°<br>Projektionen besteht in der unendlichen Vielfalt der Perspektiven, über die sich der<br>Gestaltungs- und Rezeptionsspielraum deutlich erweitern lässt. Für die inhaltliche,<br>zeitliche und dramaturgische Konzeption von 360° Projektionen ist das<br>Gebrauchsblickfeld von maßgeblicher Bedeutung, da es das Fenster zum<br>Bewusstsein des Betrachters bildet. Wechseln die Ereignisse zu schnell hat das die<br>gleiche Bedeutung für das Verständnis der anschaulich übermittelten Botschaft, wie ein zu schnell gesprochener Text. Sind sie zu weit voneinander entfernt, muss sich<br>der Betrachter entscheiden, welchem Ereignis er sich zuwendet und welches er<br>ignoriert. Für jede Konzeption von 360° Projektionen gilt daher der Satz: Was wir<br>zeitlich und räumlich nicht in den Blick nehmen können, verstehen wir nicht!</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wozu ein „Geführtes Sehen“ in optimaler Lesegeschwindigkeit sinnvoll ist</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die bereits pränatal angelegte motorische Fähigkeit zur unwillkürlichen<br>reizgerichteten Augenbewegung bildet die physiologische Voraussetzung für die<br>Entwicklung unserer räumlich-visuellen Gehirnleistungen. Die Willkürbewegungen<br>dagegen verweisen auf den bereits erworbenen Wissensstand. Aus Gründen der<br>Effizienz nutzen wir zunehmend unsere Augenbewegungen, um die für uns bereits<br>inhaltlich bedeutsamen Farb- und Lichtstrukturen der Umwelt abzutasten. Unsere<br>Blickbewegungen „zeichnen“ den Gedankengang mit und bekunden unser Interesse<br>an der Umgebungssituation. Ein ziellos schweifender Blick zeugt dagegen von<br>unserem Desinteresse am äußeren Wahrnehmungsraum. Sobald die<br>Aufmerksamkeit auf den gedanklichen Gang durch unseren inneren<br>Vorstellungsraum gerichtet ist, wirkt unser Blick daher leer und abwesend.<br>Blickbewegungen lassen sich als anschauliche Form der Lesekompetenz verstehen,<br>da wir uns über die räumlich-visuelle Zeichenstruktur der Umwelt Bedeutungen,<br>Verhaltenszustände und Handlungszusammenhänge erschließen. Aus diesem<br>Grund sind die Blickbewegungen sowohl beim Lesen von Texten, wie auch beim<br>Betrachten von Bildern ein Indikator für die visuelle Bildung des Betrachters, an der<br>man in Bezug auf den Kontext der Kommunikationssituation auch den Experten vom<br>Laien unterscheiden kann. Ein ziellos umherschweifender Blick ist meist ein<br>eindeutiger Indikator für die Überforderung oder Unterforderung des Lesers und<br>Betrachters.<br>Während sich unsere Augen im Bruchteil von Sekunden im Gebrauchsblickfeld<br>bewegen können, dauert die Hinwendung des Kopfes deutlich länger. Während wir<br>im peripheren Gesichtsfeld von etwa 180° zumindest mitbekommen, wenn etwas<br>passiert, nehmen wir die von unserem Standpunkt rückwärtige Hälfte einer<br>Panoramaprojektion überhaupt nicht wahr. Wenn sich hier etwas Bedeutsames<br>ereignet, muss das dem Betrachter über hinführende Bildbewegungen oder auditive<br>Signale kommuniziert werden, damit eine Kopfwendung eingeleitet werden kann.<br>Erst dann kann der Handlungsfaden weiterverfolgt oder angeknüpft werden. Bei 360°<br>Projektionen ist die Beachtung der verlängerten Reaktionszeit des Betrachters von<br>entscheidender Bedeutung. Nur wenn der Betrachter auch die Möglichkeit besitzt,<br>den Handlungsfaden zu verfolgen, wird er ein dauerhaftes Interesse am Geschehen<br>behalten und die Botschaft verstehen. Das große Informations- und Erlebnispotential<br>von 360° Projektionen kann sich daher nur dann vollständig entfalten, wenn sich bei<br>allen am Schöpfungsprozess Beteiligten Erfahrungswerte im praktischen Experiment<br>gebildet haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was wir aus der Gestik der Augenbewegungen lernen können</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gestik der willkürlichen und unwillkürlichen Blickbewegungen unserer Zielgruppe bilden den Schlüssel zum Verständnis von 360° Projektionen, auf dem jegliche Konzeption und Umsetzung aufbauen sollte. Während unser Blick unwillkürlich von emotional bedeutsamen Inhalten der Projektionssituation angezogen wird, die auf unsere instinktiven Bedürfnisse zurückzuführen sind, können wir die willkürlichen Augenbewegungen ausschließlich über das Interesse des Betrachters an Form, Inhalt und Dramaturgie der Handlungssituation steuern. Sowohl beim Lesen, wie auch beim Betrachten von Dingen verweilen unsere Augen daher für etwa 50 Millisekunden auf den uns bereits erkennbaren bedeutsamen Zeichen, bevor sie zum nächsten Ereignis springen. Im Gebrauchsblickfeld von 40° können wir daher etwa 20 Orte pro Sekunde durch schnelle Fixationen erfassen, wobei sich die<br>Lesegeschwindigkeit bei schwer verständlichen Inhalten deutlich verlangsamt.<br>Ausschließlich in den Ruhephasen zwischen den sprunghaften sakkadischen<br>Blickbewegungen können wir bedeutsame Zeichen im Bildraum bewusst<br>wahrnehmen, da sich die Optik unserer Augen immer wieder neu auf das Ereignis<br>fixieren muss. Kürzere Zeiten als eine Sekunde pro Bild führen meist zu einer<br>völligen Unverständlichkeit der Inhalte, die unbewusst durchaus zu Reaktionen und<br>vagen Erinnerungen führen können. Schnell erfasst werden in der Regel Gesichter,<br>Hände und andere menschliche Körperteile sowie semantisch prägnante Formen,<br>Farben und Bewegungsmuster.<br>Die Planung von dynamischen Projektionen stellt bereits bei konventionellen<br>Bildformaten eine Herausforderung dar, da der Betrachter verunsichert, verwirrt und<br>schließlich verärgert reagiert, wenn zu viel gleichzeitig passiert. Diese Überforderung<br>lässt sich gut nachvollziehen, wenn die Lesegeschwindigkeit eines Textes<br>unverhältnismäßig gesteigert oder gar mehrere Bücher gleichzeitig rezitiert werden.<br>Steht ein Betrachter in der Kugelkalotte einer 360° Projektion, muss darüber hinaus<br>noch die extreme Verlängerung der Zeitspanne eingerechnet werden, die er für die<br>Drehung seines Kopfes und Körpers benötigt. Die simple Übertragung von Inhalten<br>von konventionellen Bildformaten in 360° Projektionen führt daher mit einiger<br>Sicherheit zu einer Überforderung des Betrachters und sollte daher prinzipiell an die<br>Rahmenbedingungen unserer Wahrnehmungsleistungen angepasst werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wo die Grenze zwischen dem Realraum und der Immersion verläuft</h3>



<p class="wp-block-paragraph">360° Projektionen ermöglichen uns die Gestaltung von nahezu perfekten<br>Immersionen, da das gesamte Geschehen nicht auf einen kleinen Bildausschnitt<br>zusammengedrängt werden muss, sondern sich frei im gesamten Raum entfalten<br>kann. Für eine glaubhafte und emotional wirksame Immersion muss die<br>perspektivische Struktur der Bildprojektion in Bezug zum Standpunkt des Betrachters<br>gesetzt werden und dynamisch an seine Bewegungsmatrix angepasst werden. Die<br>perspektivische Struktur des gesamten Projektionsraums wird durch das dynamische<br>Verhältnis zwischen dem Betrachter, den betrachteten Ereignissen und der<br>Lichtquelle geregelt. Die Betrachterposition legt das Zentrum der perspektivischen<br>Struktur der fest. Jede Veränderung des eigenen Standpunktes in diesem<br>raumzeitlichen Ordnungssystem bringt eine neue Sichtweise auf den Gegenstand<br>der Betrachtung mit sich. Durch die Festschreibung unserer Perspektive vermitteln wir dem Betrachter unsere Sichtweise und geben ihm seine Leserichtung vor. Der<br>Verfasser eines anschaulichen Werkes bildet daher immer das Subjekt im<br>Gestaltungsprozess, welches dem Objekt seine Sichtweise für die Lösung der mit<br>dem Herstellungszweck verbundenen Problemstellung einbeschreibt. Im<br>Deutungsprozess hingegen wird der Betrachter über das Werk mit der Perspektive<br>des Gestalters konfrontiert und aufgefordert, sich dessen Ideenwelt zu erschließen.<br>360° Projektionen sind auf Grund der vielfältigen möglichen Betrachterstandpunkte<br>und Blickperspektiven extrem mehrdeutig und eröffnen uns hierdurch viele<br>Möglichkeiten zur Bildung eines eigenen Standpunktes, wie auch zur Hinterfragung<br>der eigenen Sichtweise.<br>Ist die Nachführung der perspektivischen Strukturen des gesamten Projektionsraums<br>nicht möglich, kann eine Immersion nur erreicht werden, wenn der Betrachter keinen<br>Horizont findet. Der Blick in den Weltraum, wie wir ihn in einem Planetarium erleben können, zeigt einen idealen immersiven Raum, da wir den Maßstab, die Proportionen, die Tiefen sowie die Körper- und Raumformen auf Grund der Entfernungen nicht mehr perspektivisch wahrnehmen. Ein Blick in den Himmel oder das Eintauchen unter eine Wasseroberfläche versetzt uns ebenfalls in Raumsituationen, bei denen uns der Horizont aus dem Gesichtsfeld gleitet und daher auch keine bedeutsame Bezugsgröße mehr bildet. Doch selbst wenn es uns gelingt, die perspektivische Strukturen einer 360° Projektion beständig an den Standpunkt des Betrachters anzupassen, gibt es eine physiologisch bedingte Grenze, die eine vollständige Immersion verhindert. Durch die Akkommodation der elastischen Linse unserer Augen an den notwendigen Brechungswinkel der Strahlungsvektoren, erhält das motorische Zentrum des Gehirns reale Tiefeninformationen. Hierdurch erfolgt die Anpassung der optischen Bedingungen im Augeninneren an den Abstand des<br>Betrachters zum fixierten Ziel. Die Entfernung zwischen Augpunkt und Blickpunkt<br>wird auf diese Weise ständig gemessen, wodurch unser Gehirn reale 3d-Daten erhält.<br>Die optischen Verhältnisse im Augkörper werden auf diese Weise konstant gehalten,<br>was wir bei einer Fotokamera reproduzieren, in dem wir die Bildschärfe dynamisch<br>nachführen. Die Anspannung des Ziliarmuskels führt zu einer Verkleinerung seines<br>Umfangs und der konzentrischen Verengung des Strahlenkörpers. Damit nimmt die<br>Brechkraft der Linse zu, weshalb es zu einer Nahakkommodation kommt. Die<br>Entspannung des Ziliarmuskels führt zur Fernakkommodation des entspannten<br>Linsenkörpers. Auf diese Weise wird es dem Gehirn auch möglich, eine<br>Größenkonstanz zu errechnen, nach der die Objekte in der Wahrnehmungssituation<br>ihre Ausdehnung nicht so stark verändern, wie es zum Beispiel bei der Verschiebung<br>einer Projektionsfläche zu einem Projektor beobachtet werden kann. Menschen,<br>Dinge und Räume weisen aus diesem Grund keine stürzenden Linien auf.<br>Bedeutsamere Objekte erscheinen uns größer und näher als der Kontext. In einer<br>360° Kuppel bleibt die Linsenkrümmung im Auge nahezu unverändert, da der<br>Abstand vom Betrachter zu allen räumlichen Ebenen der Bildprojektion konstant<br>bleibt. Dieser Sachverhalt lässt sich weder durch eine 3d-Brille, noch durch gezielte<br>Unschärfen, Bewegungsparallaxen, Verblassungen, Farbverschiebungen oder<br>perspektivische Verzerrungen vollständig aus der Welt schaffen. Selbst wenn man<br>von den hörbaren Grenzen des Projektionsraums absieht, die von der Raumakustik<br>erfasst werden, bleibt die fehlende Linsenkrümmung ein beständiger Indikator für die<br>Illusion. Genau hier zeigt sich eine Grenze zwischen dem Realraum und der von<br>einer 360° Projektion erreichbaren Immersion.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum braucht man nonlineare und interaktive Kommunikationstechniken</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bei konventionellen Bildformaten ist die Erzählstruktur zwangsläufig linear, da wir zu<br>jedem Zeitpunkt das gesamte Geschehen im Blickfeld behalten. Die lineare Struktur<br>erlaubt uns Schnitte, die durch Vor- und Rückblenden beliebig auf der Zeitachse<br>angeordnet werden können. Im Prinzip lesen wir diese Bilder wie die Seiten eines<br>Buches, auf denen der Autor an den Fluss der Worte gebunden ist. Unsere<br>Lebenswirklichkeit gleicht jedoch weder einem Buch, noch einem Bild, da wir uns<br>inmitten eines sphärischen Raums befinden, dessen Ereignisstruktur sich um uns<br>herum bis zum umlaufenden Panorama des Horizonts ausbreitet. Während unser<br>Blick bei Standardbildformaten immer wie von einem Fensterrahmen begrenzt bleibt,<br>befinden wir uns bei sphärischen 360° Projektionen inmitten einer weiten Landschaft,<br>über die sich der Himmel aufspannt. Aus dem Innenraum eines konventionellen<br>Bildes wird ein Landschaftsraum, der ganz andere Denk- und Handlungsstrategien<br>erfordert. Aus dem positiven Formprinzip, bei dem wir alle Dinge innerhalb der<br>Begrenzungen des Bildrahmens einstellen, wird ein Negativprinzip, bei dem der Betrachter die Wahl aus einer Vielzahl von Ereignissen besitzt.<br>Über 360° Projektionen können Botschaften in einer nonlinearen Form erzählt<br>werden, durch die sich das Verhältnis von Raum und Zeit grundlegend verändert.<br>Durch die panoramaartige Krümmung der Handlungsstruktur können Anfang und<br>Ende ineinander übergehen, was uns bildhafte Darstellungen von rekursiven<br>Prozessen und unendlichen Mannigfaltigkeiten ermöglicht. Auf der geschlossenen<br>Zeitachse lassen sich geschlossene Systeme generieren, deren<br>Veränderungsdynamiken der Betrachter in beiden Richtungen verfolgen kann. Da wir<br>von 360° Projektionen immer nur einen Ausschnitt wahrnehmen können, kann der<br>Betrachter diese ungewohnte Freiheit auf schöpferische Weise nutzen. Bekommt der<br>Betrachter die Möglichkeit zur Wahl zwischen verschiedenen Lesarten, kann er sich<br>aus einer Vielzahl von Angeboten seine eigene Geschichte konstruieren. Wie beim<br>nächtlichen Blick in den Sternenhimmel, der dem Menschen seit jeher mehrdeutige<br>Figurationen und damit multiple Lesarten anbietet, müssen wir uns für eine<br>Sichtweise entscheiden. Durch die Wahl unserer Bezugspunkte legen wir fest, ob wir<br>Vögel, Flugobjekte, Sternbilder, Satelliten- und Planetensysteme, Sternennebel,<br>Galaxien oder Universen zu Gesicht bekommen. Hierdurch eröffnen sich uns ganz<br>neue formale, inhaltliche und dramaturgische Möglichkeiten für die mediale<br>Gestaltung.<br>Der größte Fortschritt im Bereich der räumlich-visuellen Kommunikation besteht nach meiner Ansicht jedoch darin, dass der Betrachter selbst einen aktiven Teil jeder 360° Projektion bildet. Im Gegensatz zu konventionellen Medienformaten stehen wir nicht außerhalb, sondern inmitten des Bildraums, der uns zu jeder Zeit und von jedem<br>Standpunkt aus vollständig umgibt. Von unserer zentralen Position im<br>panoramaartigen Bildraum können wir zu jedem Ereignis Blickbeziehungen<br>herstellen und andere beenden, wodurch sich die Botschaft personalisiert. Durch<br>unser Rezeptionsverhalten knüpfen wir unsere eigenen assoziativen<br>Bedeutungsnetzwerke, die zu überraschend neuen Handlungen, Fragen und<br>Antworten führen können. Über 360° Projektionssysteme können wir den Bildraum<br>zum ersten Mal auf eine Weise organisieren, die der Funktionsweise unseres<br>Gehirns entspricht. Dazu muss der Betrachter wie im Realraum die Wahlfreiheit<br>besitzen, sich zwischen den simultan angebotenen Informationen zu entscheiden. Im<br>Realraum können wir in der Regel selbst wählen, welchen Weg wir einschlagen<br>wollen. Hierdurch kann jede Handlung einen unerwarteten Ausgang nehmen, durch<br>den wir zu neuen Zielen und innovativen Lösungen gelangen können. 360°<br>Projektionen vergrößern unsere Denk- und Handlungsfreiheit in dem Maß, wie sich<br>Abläufe durch Interaktionen und Wahlmöglichkeiten mitbestimmen und mitgestalten<br>lassen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie 360° Projektionen Wissen schaffen und Wirklichkeit gestalten können</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umwelt selbst ist uns nicht vollständig erkennbar, weil sie die Ursache unserer<br>Gehirnentwicklung bildet. Unsere Wirklichkeitsvorstellungen erreichen ein hohes<br>Maß an Intersubjektivität und Funktionalität, da wir sie durch den Dialog mit der<br>Umwelt permanent zur Disposition stellen und hierdurch fortwährend aktualisieren.<br>Die Wirklichkeit unseres Lebensraums beschreibt daher den Teil der Umwelt, den wir<br>uns über die Bildung unserer Vorstellungskraft, unseres Wahrnehmungsvermögens<br>und unserer Gestaltungsfertigkeiten erschließen können. Jeder Lernerfolg gründet<br>sich auf die neuronale Vernetzung unseres anschaulich erworbenen Wissens nach<br>dem kausalen Prinzip von Ursache und Wirkung. Daher sehen wir zu jeder Zeit eine<br>zweckmäßig eingerichtete Welt, in der die Dinge tun, was wir von ihnen erwarten.<br>Tun sie das nicht, suchen wir nach den Gründen und korrigieren unsere Erwartungshaltung. Durch dieses Prinzip der Empirie schaffen wir auf anschauliche<br>Weise Wissen. Die sichtbaren Werke des Natur- und Kulturraums sind für uns daher<br>nicht einfach da, sondern sie erzählen uns von dem „unsichtbaren“ Wirken der Kräfte,<br>die wir für ihre Herstellung verantwortlich machen. Das Herstellungsprinzip vermittelt uns die Intentionalität eines Werkes, seinen Daseins- oder Gebrauchszweck.<br>Technische Innovationen bergen Veränderungen unserer Lebenswirklichkeit. Durch<br>sie können wir die Leistungsgrenzen unserer Sinnessysteme erweitern und aus<br>komplexen Umweltdaten Informationen generieren. Die kulturelle Evolution gründet<br>sich daher auf der Entwicklung von räumlichen Kommunikationssystemen. Genau<br>hierin liegt das Innovationspotential von 360° Projektionen für die sinnliche<br>Wahrnehmung, die gedankliche Vorstellung und die praktische Gestaltung unserer<br>Lebenswirklichkeit. Fehlt der Sichtkontakt zu einem anschaulich dargestellten<br>Sachverhalt, wird die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns stark herabgesetzt, da nun<br>nur noch die tatsächlich abrufbaren Gedächtnisinhalte für gedankliche Prozesse<br>genutzt werden können. Das Informationsdefizit können wir uns einfach<br>vergegenwärtigen, wenn wir einmal versuchen, uns das Aussehen der Menschen<br>vorzustellen, die wir jeden Tag zu Gesicht bekommen. Wer könnte spontan ein<br>Portrait dieser Menschen anfertigen? Durch intensive Übung überführen wir diese<br>Informationen in Gedächtnissysteme, auf die wir einfacher Zugriff haben. Doch die<br>Regel wird bleiben, dass wir die gesamte Umwelt als „anschaulichen<br>Gedächtnisspeicher“ nutzen. Unser Gehirn arbeitet effizient und passt sich den<br>Umweltbedingungen an. Warum sollte es Informationen und damit Speicherplatz<br>vorhalten, wenn diese um uns herum permanent zur Verfügung steht?<br>Im Gegensatz zu konventionellen Bildformaten müssen komplexe Sachverhalte bei<br>panoramaartigen Projektionen nicht zwangsläufig von der Bildfläche verschwinden.<br>Außerhalb des Blickfeldes bietet sich ein weiter Horizont, an dem sie präsent und mit<br>dem aktuellen Geschehen vernetzt bleiben können. Bei Bedarf kann sich der<br>Betrachter jederzeit erneut daran orientieren und anhand der sichtbaren<br>Vernetzungsstruktur weitaus anspruchsvollere Denk- und Handlungsprozesse<br>ausführen. Auf diese Weise lassen sich komplexe Zusammenhänge vereinfachen<br>und schrittweise erläutern, ohne dass der Gesamtzusammenhang verloren geht.<br>Vergangene Erklärungsschritte können bei Bedarf präsent bleiben. Zukünftige<br>Argumente oder multiple Lösungswege können im Vorfeld angekündigt werden.<br>Nicht zuletzt können Querverweise und Argumentationsstränge in viele Richtungen<br>rund um den Betrachter herum erfolgen, wodurch sich der Problemhorizont eines<br>komplexen Sachverhalts panoramaartig aufspannen und in mehrere sich<br>durchdringende Handlungsebenen zerlegen lässt. Man denke hier nur an das<br>analoge Modell der ausklappbaren Tafel, an der die Lösung eines schwierigen<br>mathematischen oder physikalischen Problems schrittweise erklärt und dennoch<br>jederzeit vollständig nachvollzogen werden kann. Unser Wissen ist immer komplex,<br>vielfältig und vorübergehend. Es ist nur dann nachhaltig wirksam, wenn wir es nicht<br>isoliert wahrnehmen, sondern durch möglichst viele Querverbindungen mit<br>vorhandenen Wissensstrukturen vernetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie 360° Projektionen Raum für die schöpferische Kraft der Phantasie schaffen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Phantasie ist heute selbst in der Wissenschaft eine anerkannte Kompetenz,<br>da wir uns hierüber einen Denk- und Handlungsraum eröffnen, in dem wir frei von<br>den Beschränkungen der gültigen Konventionen und des abgesicherten Vorwissens<br>zu neuen Problemlösungen gelangen können. Der spekulative Charakter unserer<br>Phantasien kann anschließend durch empirische Methoden in eine abgesicherte<br>Form von Wissen überführt werden. Ist ein Gedanke erst einmal auf anschauliche Weise in die Welt gebracht, regt er uns zu immer neuen Spielen und Experimenten<br>an. Der „konventionsfreie“ Vorstellungsraum der Phantasie bildet daher die<br>Voraussetzung für jede kreative Methode der Problemlösung oder einfach für die<br>Fähigkeit zur Kreativität. 360° Projektionen bieten unserer Phantasie einen weiten<br>Raum, der hervorragend für Experimente geeignet ist. Mit Hilfe von dynamischen<br>Raummodellen und komplexen Vermittlungskonzepten lassen sich völlig neue<br>Wahrnehmungserlebnisse gestalten und Menschen in interaktive<br>Schöpfungsprozesse involvieren. Hierdurch intensiviert sich nicht nur das sinnliche<br>Erlebnis, sondern ebenso auch die Komplexität, Intensität und Nachhaltigkeit jeder<br>Botschaft. Aus diesem Grund reicht es nicht aus, bestehende Präsentations- und<br>Vermittlungskonzepte zu adaptieren. Über praktische Feldversuche im 360°<br>Projektionsraum lassen sich neue Kommunikationstechniken generieren, deren<br>Anwendungsmöglichkeiten wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Hier<br>verhält es sich nicht anders wie bei allen vorangegangenen technischen<br>Innovationen, die zuerst Veränderungen im Kommunikationsverhalten bewirkt haben,<br>bevor sich neue Anwendungsmöglichkeiten entwickeln konnten.<br>Der lateinische Begriff „phantasia“ führt uns zur wichtigsten Triebfeder des kulturellen<br>Fortschritts, dem Haben von Gedanken und Einfällen. Woher unsere Ideen für die<br>Lösung komplexer Problemzusammenhänge letztendlich kommen, können wir im<br>Vorfeld nicht wissen, da wir uns erst einmal über die Frage klar werden müssen.<br>Wenn wir die Fragestellung anschaulich darstellen können, ist die Lösung oft nur<br>noch eine Frage der Zeit. Genau deshalb müssen wir bedeutsame Einfälle und<br>Gedanken über die Tätigkeit unserer Phantasie erst einmal auf anschauliche Weise<br>zur Erscheinung bringen, wie es die griechische Sprachwurzel des Begriffs<br>„phantazestai“ aussagt. Albert Einstein hat diesen Zusammenhang wie folgt in Worte<br>gefasst: &#8222;Phantasie ist wichtiger als Wissen. Denn Wissen ist auf das begrenzt, was<br>wir bereits verstehen können.&#8220; Sobald wir unseren Blick auf das panoramaartige<br>Geschehen innerhalb von 360° Projektionen richten, erlangen vielleicht gerade die<br>Dinge eine Bedeutung für unser Wissen, die wir nicht erwarten und daher auch nicht<br>voraussehen können. Es kommt daher vor allem darauf an, dass die Phantasie eines<br>Betrachters über neuartige Präsentationsstrategien angeregt wird. Das lässt sich vor<br>allem durch die Generierung von ungewöhnlichen Lebenswelten und<br>Problemdarstellungen erreichen, die Widersprüche, Zufälle und Mehrdeutigkeiten<br>provozieren. Erst dann wird sich der Betrachter selbst Fragen stellen und nach<br>Antworten suchen.<br>Das Erkenntnis- und Verständigungs- sowie Problemlösungs- und<br>Vermittlungspotential von 360° Projektionen eröffnet ein extrem spannendes<br>Forschungsfeld, von dem viele neue Einsichten in Grundlagen der visuellen<br>Wahrnehmung, Kommunikation und Gestaltung sowie innovative Anwendungen für<br>die Praxis zu erwarten sind.</p>



<p class="has-background wp-block-paragraph" style="background-color:#cc5a1d33">Weiterführende Informationen zu diesen Überlegungen finden sich in meinem Buch<br>„<a href="https://axelbuether.de/2010/die-bildung-der-raumlich-visuellen-kompetenz/" data-type="link" data-id="https://axelbuether.de/2010/die-bildung-der-raumlich-visuellen-kompetenz/">Die Bildung der räumlich-visuellen Kompetenz &#8211; Neurobiologische Grundlagen für<br>die methodische Förderung der anschaulichen Wahrnehmung, Vorstellung und<br>Darstellung im Gestaltungs- und Kommunikationsprozess</a>“.</p>



<p class="has-background wp-block-paragraph" style="background-color:#bccc1d3b">Mein Buchbeitrag entstammt der Publikation &#8222;<strong>Fullspace-Projektion: Mit dem 360°lab zum Holodeck</strong>&#8220; (Springer 2013), die als kostenfreie Volltextversion unter dem folgenden Link zu erhalten ist: <a href="https://www.researchgate.net/publication/321590678_Fullspace-Projektion_Mit_dem_360lab_zum_Holodeck">https://www.researchgate.net/publication/321590678_Fullspace-Projektion_Mit_dem_360lab_zum_Holodeck</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://axelbuether.de/2024/raumdenken-und-gehirn-2/">Raumdenken und Gehirn</a> erschien zuerst auf <a href="https://axelbuether.de">Farbpsychologie</a>.</p>
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