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	<title>Axel Buether-Archiv - Farbpsychologie</title>
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		<title>Warum gibt es Farben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Axel Buether]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 30 Aug 2026 12:13:07 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Warum gibt es Farben überhaupt? Welche biologischen und kulturellen Funktionen erfüllen sie? Und was verändert sich, wenn wir dieses Wissen nicht nur zur Erklärung unserer Wahrnehmung nutzen, sondern zur Gestaltung einer humaneren Umwelt? Diese Fragen beschäftigen meine Forschung seit vielen Jahren. Im Studiogespräch für die Sendereihe „Die eine Frage“ bei Deutschlandfunk Kultur standen sie nun [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Warum gibt es Farben überhaupt? Welche biologischen und kulturellen Funktionen erfüllen sie? Und was verändert sich, wenn wir dieses Wissen nicht nur zur Erklärung unserer Wahrnehmung nutzen, sondern zur Gestaltung einer humaneren Umwelt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Fragen beschäftigen meine Forschung seit vielen Jahren. Im Studiogespräch für die Sendereihe <strong>„Die eine Frage“</strong> bei Deutschlandfunk Kultur standen sie nun für knapp 30 Minuten im Mittelpunkt. <a href="https://axelbuether.de/2023/podcast-farbpsychologie-zwischentoene-deutschlandfunk/" data-type="post" data-id="7226" target="_blank" rel="noopener">Die Sendung wurde am 28. August 2026 im Rahmen von <em>Studio 9</em> ausgestrahlt</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Ausgangspunkt ist für mich ein grundlegender Perspektivwechsel: <strong>Farbe ist keine Eigenschaft der Dinge. Sie entsteht als Wahrnehmung in uns.</strong> Materie und elektromagnetische Energie bilden die äußeren Bedingungen – die farbige Welt jedoch entsteht erst in der Wechselwirkung von Augen und Gehirn, Körper, Gedächtnis und Erfahrung. Deshalb ist Farbe weit mehr als ästhetische Dekoration. Sie ist eines der ältesten und leistungsfähigsten Medien, mit denen Menschen ihre Umwelt unterscheiden, bewerten, erinnern und gestalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus evolutionärer Sicht half uns Farbsehen dabei, Nahrung zu erkennen, Gefahren einzuschätzen, Lebensräume zu beurteilen und soziale Signale wahrzunehmen. Kulturell haben wir aus dieser biologischen Fähigkeit ein hochkomplexes Kommunikationssystem entwickelt: Farben strukturieren Räume und Gegenstände, markieren Zugehörigkeit, erzeugen Identität und transportieren Bedeutungen, lange bevor wir sie bewusst in Worte fassen. Diese Verbindung von evolutionärer Biologie, Wahrnehmungspsychologie und Gestaltung bildet einen Kern meiner Forschung.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Warum leben wir trotzdem in einer nahezu weißen Umwelt?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zweiter Schwerpunkt des Gesprächs war die gebaute Umwelt. Ein sehr großer Anteil heutiger Wand- und Deckenflächen wird weiß oder nahezu unbunt gestaltet. Damit verzichten wir ausgerechnet dort auf einen wesentlichen Teil unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten, wo Menschen einen Großteil ihres Lebens verbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine humanistische Umweltgestaltung setzt für mich deshalb beim Menschen an: Wie unterstützt ein Raum Orientierung, Erholung, Konzentration, Kommunikation, Identifikation und Wohlbefinden? Welche Farbatmosphären passen zu den Tätigkeiten und Bedürfnissen der Menschen, die dort leben und arbeiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Evidenzbasierte Farbgestaltung bedeutet dabei gerade nicht, Räume möglichst bunt zu machen. Sie bedeutet, Farbe so präzise einzusetzen, dass sie ihre biologischen, psychologischen und sozialen Funktionen entfalten kann. Farbe wird damit vom dekorativen Zusatz zu einem gestaltbaren Umweltfaktor.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was verraten unsere Lieblingsfarben über uns?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der dritte Themenkomplex führte von der Umwelt unmittelbar zur Persönlichkeit. Warum fühlt sich ein Mensch in einem tiefen Ultramarin ausgesprochen wohl, während ein anderer lichte Türkistöne oder warme Orange- und Rottöne bevorzugt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Farbvorlieben entstehen im Zusammenspiel biologischer Voraussetzungen, individueller Erfahrungen und kultureller Prägungen. In meiner Forschung untersuche ich darüber hinaus Zusammenhänge zwischen Farbpräferenzen und Persönlichkeitsmerkmalen – unter anderem auf der Grundlage des Big-Five-Modells.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das eröffnet eine spannende neue Perspektive auf Gestaltung: <strong>Was wäre, wenn wir Kleidung, Kosmetik, Wohnräume und Produkte stärker danach auswählen könnten, wer wir tatsächlich sind und wie wir uns selbst erleben?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Farben können dann helfen, die eigene Persönlichkeit sichtbar zu machen. Kleidung oder Make-up müssten keinem wechselnden Trend folgen, sondern könnten unsere Individualität unterstützen. Wohnräume könnten stärker den persönlichen Bedürfnissen entsprechen. Produkte würden länger geschätzt, weil ihre Gestaltung nicht nur kurzfristig gefällt, sondern dauerhaft zur eigenen Person passt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit verbindet sich für mich auch eine Frage der Nachhaltigkeit. Was wirklich zu uns passt, müssen wir weniger schnell ersetzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Kann Farbgestaltung dazu beitragen, authentischer zu leben?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht ist das die gesellschaftlich interessanteste Konsequenz: Farbe unterstützt nicht nur Wohlbefinden. Sie beteiligt sich daran, <strong>wie wir uns selbst sehen und wie wir von anderen gesehen werden wollen</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir gestalten unsere Erscheinung, unsere Wohnungen, unsere Arbeitsplätze und unsere Produkte immer auch als Form sozialer Kommunikation. Farbe gehört dabei zu den schnellsten Informationen überhaupt. Noch bevor ein Gegenüber unseren Stil analysiert oder unsere Worte versteht, hat die farbliche Erscheinung bereits einen Eindruck erzeugt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine gute Farbgestaltung hilft deshalb nicht, eine künstliche Wirkung zu produzieren. Im besten Fall unterstützt sie das Gegenteil: <strong>Sie macht unsere Persönlichkeit, unsere Bedürfnisse und unsere Haltung authentisch wahrnehmbar.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau hier treffen für mich Farbpsychologie und Gestaltung zusammen. Wenn wir besser verstehen, warum Farben existieren, wie sie auf uns wirken und welche Erfahrungen wir mit ihnen verbinden, können wir unsere Umwelt bewusster gestalten – gesünder, individueller, sozialer und menschlicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Gespräch bei Deutschlandfunk Kultur führt durch diese drei großen Themen: <strong>Warum gibt es Farben? Wie lässt sich ihre Wirkung für eine humanere Umweltgestaltung nutzen? Und was verraten unsere Farbvorlieben über unsere Persönlichkeit?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Sendung ist knapp 30 Minuten lang und kann bei <a href="https://axelbuether.de/2023/podcast-farbpsychologie-zwischentoene-deutschlandfunk/" data-type="post" data-id="7226" target="_blank" rel="noopener">Deutschlandfunk Kultur </a>nachgehört werden. </p>
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		<title>Was Ihre Haarfarbe über Sie verrät</title>
		<link>https://axelbuether.de/2026/was-ihre-haarfarbe-ueber-sie-verraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Buether]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 15:18:16 +0000</pubDate>
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<p class="wp-block-paragraph">In einem britischen Nachtclub wurde vor einigen Jahren dieselbe Frau an drei Abenden hintereinander zu drei verschiedenen Menschen. Dasselbe Kleid, dasselbe Gesicht, dieselbe Stimme, dasselbe Lachen. Verändert wurde eine einzige Variable: die Haarfarbe. Als Blondine sprachen sie sechzig Männer an. Als Brünette zweiundvierzig. Als Rothaarige achtzehn.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte das für eine Attraktivitätsrangliste halten. Der interessante Teil des Experiments beginnt aber erst danach. Dieselben Fotos wurden anschließend bewertet – und dort gewann ausgerechnet die brünette Variante: attraktiver, intelligenter, kompetenter. Die blonde Version dagegen wurde als anlehnungsbedürftiger eingestuft – als diejenige, die am ehesten jemanden braucht. Und genau sie war es, die am häufigsten angesprochen wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Forscher vermuten darin die Erklärung: Wer jemanden für anlehnungsbedürftig hält, rechnet weniger mit Zurückweisung. Nicht die höhere Attraktivität treibt den Mann durch den Raum, sondern die niedrigere Hemmschwelle. Die Haarfarbe hatte nicht bestimmt, wen die Männer schöner fanden. Sie hatte bestimmt, bei wem sie sich trauten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen dem, was wir über einen Menschen denken, und dem, was wir mit ihm tun, klafft also eine Lücke. Und in diese Lücke passt bequem eine Farbe, für die die Frau nichts konnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau hier fängt das Missverständnis an, das die ganze Debatte über Haarfarben und Charakter seit Jahrzehnten vergiftet. Es lässt sich in einem Satz auflösen, und der Satz ist unspektakulär genug, um dauernd überhört zu werden: <strong>Über die Haarfarbe, mit der ein Mensch geboren wurde, lässt sich nichts über seinen Charakter sagen. Über die Haarfarbe, für die er sich entscheidet, sehr wohl.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist kein Wortspiel. Das ist der ganze Unterschied.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Hundert Millisekunden</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Wahrnehmungssystem ist nicht auf Gerechtigkeit optimiert, sondern auf Tempo. Wer einen Raum betritt, ist eingeordnet, bevor er den ersten Satz gesagt hat: In weniger als einer Zehntelsekunde steht das Urteil über Vertrauenswürdigkeit, Kompetenz und Sympathie. Das Beunruhigende daran ist nicht die Geschwindigkeit. Das Beunruhigende ist, was bei längerem Hinsehen passiert. Das Urteil wird nicht revidiert. Es wird nur noch selbstsicherer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Zehntelsekunde greift das Gehirn nach dem auffälligsten Merkmal, das gerade zu haben ist. Und das ist bei den meisten Menschen das Haar. Es ist die größte zusammenhängende Farbfläche am Körper, sie sitzt direkt über dem Gesicht, sie ist auf dreißig Meter Entfernung lesbar. Ein bequemeres Etikett hat die Evolution nicht im Angebot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie folgenreich das ist, hat man schon 1989 in Irland vorgeführt. Probanden bekamen ein und dieselbe Frau in verschiedenen Haarfarben vorgelegt und sollten ihren Charakter einschätzen. Als Rothaarige galt sie als deutlich temperamentvoller denn als Blondine oder Brünette. Identische Person, identisches Gesicht, anderes Urteil.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was Judas mit Ihrem Friseur zu tun hat</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Farbbedeutungen sind gelernt, nicht angeboren. Und sie wandern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rot haben wir über Jahrhunderte aufgeladen: mit Erregung, mit Gefahr, mit Leidenschaft, mit Verrat. In der mittelalterlichen Ikonografie bekommt Judas rotes Haar. In den Protokollen der Hexenverfolgung taucht es mit auffälliger Regelmäßigkeit auf. Diese Bedeutung haftet bis heute an der Farbe – und wir übertragen sie anschließend auf den Menschen, der sie zufällig auf dem Kopf trägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist kein Rückschluss. Das ist ein Bedeutungstransfer. Wir lesen nicht die Person. Wir lesen unsere eigene Kulturgeschichte, die sich zufällig auf ihrem Scheitel niedergelassen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dazu kommt der Kontext, und der ist mächtiger, als es die Klischee-Debatte wahrhaben will. Haarfarbe wirkt nie isoliert, sondern immer im Zusammenspiel mit Hautton, Kleidung, Licht und Situation. Dieselbe Blondine wird im Bewerbungsgespräch anders bewertet als beim Date – das ist experimentell belegt. Wer glaubt, er lese einen Menschen, liest in Wahrheit eine Situation. Und er liest Medienbilder: Die Kopplung von Haarfarbe und Schönheitsideal lässt sich über vier Jahrzehnte Zeitschriftenanalyse hinweg nachzeichnen, und sie verschiebt sich mit jeder Dekade.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Detail, das in dieser Diskussion fast immer fehlt: Diese Klischees existieren fast nur dort, wo Haarfarbe überhaupt variiert. Weltweit haben rund neunzig Prozent der Menschen dunkles Haar. Die ganze aufgeregte Typologie von blond bis rot ist damit kein anthropologisches Grundgesetz, sondern ein europäisches Regionalphänomen – entstanden aus einer Laune der Pigmentverteilung.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Wo es aufhört, lustig zu sein</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Man könnte all das für Smalltalk halten. Ist es aber nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unter fünfhundert untersuchten britischen Konzernchefs waren nur fünf Prozent blond – bei einem Bevölkerungsanteil von etwa fünfundzwanzig Prozent. Das ist keine Anekdote mehr, das ist eine Größenordnung. Haarfarbenklischees enden nicht im Gespräch. Sie enden in Lebensläufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jede Farbe schleppt dabei ihr eigenes kulturelles Gepäck. Blond signalisiert Jugend und Helligkeit – und wird deshalb mit Unbedarftheit verwechselt. Braun gilt als Normalfall und wird deshalb mit Verlässlichkeit verwechselt. Schwarz erzeugt den maximalen Kontrast zum Gesicht und damit Autorität. Rot ist selten und deshalb maximal auffällig – und Auffälligkeit ist der Rohstoff, aus dem Klischees gemacht werden. Grau schließlich ist gar kein Charaktermarker, sondern ein Altersmarker: Hier bewerten wir nicht die Farbe, sondern eine vermutete Lebensphase.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Biologie? Sie liefert gelegentlich Nebenwirkungen, die wie Charakter aussehen, aber keiner sind. Rothaarige Frauen benötigten in einer vielzitierten Studie rund neunzehn Prozent mehr Narkosemittel, um Schmerzreaktionen zu unterdrücken. Ein wunderbarer Befund für alle, die die „schmerzempfindliche Rothaarige&#8220; schon immer für eine Tatsache hielten – nur ist das Physiologie und nicht Persönlichkeit. Und selbst hier ist die Lage inzwischen widersprüchlich: Neuere Arbeiten legen nahe, dass die für die Schmerzunterschiede verantwortlichen Genvarianten andere sind als jene, die rotes Haar verursachen.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Das visuelle Tagebuch</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt die andere Hälfte der Geschichte – die, die in der öffentlichen Debatte fast nie vorkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die angeborene Haarfarbe ist Pigmentgenetik. Die gewählte Haarfarbe ist etwas kategorial anderes: kein Merkmal, sondern eine Handlung. Und aus Handlungen ist Persönlichkeitsforschung gebaut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe diesen Zusammenhang über Jahre empirisch untersucht. Dafür habe ich die Farbkreise der Alltagskleidung von Menschen erfasst und mit Big-Five-Persönlichkeitstests abgeglichen. Es gibt einen signifikanten Zusammenhang – aber er liegt nicht dort, wo ihn fast alle vermuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zwei Befunde haben mich dabei selbst überrascht. Der erste: Nicht die Grundfarben sind aussagekräftig, sondern die Nuancen. Nicht „Blau&#8220;, sondern welches Blau. Der zweite: Ausgerechnet die Lieblingsfarbe, die jeder Mensch sofort und ohne Zögern nennen kann, sagt am wenigsten aus. Sie ist meist eine Wunschprojektion – das Selbstbild, nicht das Selbst. Was zählt, sind die Farben, die wir tatsächlich täglich tragen. Sie sind das visuelle Tagebuch unserer Persönlichkeit, und wir führen es, ohne es zu merken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau deshalb halte ich den Zusammenhang für auf die Haarfarbe übertragbar. Denn Haarfarbe existiert praktisch nur in Nuancen. Aschblond, Kupfer, Platin, Mahagoni, Karamell – das sind keine Grundfarben, das sind feine Abstufungen. Damit liegt die Haarfarbe in exakt jenem Bereich, in dem meine Daten die Persönlichkeitsinformation verorten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Unterschied bleibt, und er ist wichtig: Die Garderobe liefert Hunderte Einzelentscheidungen über Jahre hinweg. Die Haarfarbe liefert eine einzige. Der Zusammenhang ist derselbe, die Messgenauigkeit ist geringer. Wer daraus eine Diagnose macht, hat nicht verstanden, wovon die Rede ist: Es geht um statistische Tendenzen. Sie erlauben eine Aussage über tausend Menschen – nicht über den einen, der Ihnen gegenübersitzt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zur Bedeutung von Konventionen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wir gestalten unser Erscheinungsbild als zusammenhängendes Farbsystem: Kleidung, Make-up, Brille, Handyhülle, Auto, Wohnung. Die Haarfarbe reiht sich da nahtlos ein. Sie ist kein Sonderfall, sie ist ein Element unter vielen. Und dieses System kommuniziert Persönlichkeit, ob wir wollen oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Fremde daraus zutreffende Schlüsse ziehen, ist international belegt. Persönlichkeitsurteile allein anhand von Ganzkörperfotos treffen erstaunlich oft ins Ziel, und der Kleidungsstil erweist sich dabei als tatsächlich valider Hinweisreiz – nicht als Vorurteil, sondern als Information. Wer sich für ein sichtbar normabweichendes Erscheinungsbild entscheidet, zeigt dabei vor allem erhöhte Werte in einer einzigen Dimension: Offenheit für Erfahrungen. Man findet dasselbe Muster übrigens auch bei Tätowierten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend ist die Richtung des Schlusses. Sie führt von der Wahl zur Person – nie von der Geburt zur Person. Die Rothaarige hat sich ihre Haare nicht ausgesucht; über sie sagt die Farbe nichts. Die Pinkhaarige schon; über sie sagt sie etwas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch eine Präzisierung, die in der Praxis regelmäßig übersehen wird: Diagnostisch ist nie die Farbe an sich, sondern die Abweichung von der örtlichen Norm. Pink war 1977 ein Statement. In einer Kreativagentur von heute ist es Konvention. Wo die auffällige Farbe zur Gruppennorm wird, kippt ihr Signalwert von Offenheit zu Anpassung. Dieselbe Farbe, gegenteilige Aussage. Wer Farbe lesen will, muss immer zuerst den Raum lesen, in dem sie getragen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Prophezeiung, die sich selbst erfüllt</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bleibt eine letzte Volte, und sie ist die unheimlichste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer tschechischen Untersuchung berichteten rothaarige Frauen tatsächlich über mehr sexuelle Aktivität als andere. Ein Triumph für das Klischee, könnte man meinen. Die statistische Modellierung zeigte jedoch: Ihr eigenes Begehren erklärte den Unterschied nicht. Der Effekt lag beim Verhalten der Verehrer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil wir Menschen entsprechend ihrer Haarfarbe behandeln, produzieren wir am Ende oft genau jene Unterschiede, die wir vorher in sie hineingelesen haben. Das Klischee erzeugt seine eigene Bestätigung – und tritt anschließend als Beweis für sich selbst auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die letzte Schublade</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Haarfarben lösen deshalb so zuverlässig Charakterurteile aus, weil unser Gehirn nicht auf Wahrheit optimiert ist, sondern auf Geschwindigkeit. Haarfarbe ist sofort sichtbar, leicht benennbar – und gesellschaftlich noch weitgehend sanktionsfrei. Sie ist die letzte große Schublade, die man öffentlich benutzen darf, ohne sich rechtfertigen zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Fehler liegt dabei nicht darin, dass wir aus Farbe auf Menschen schließen. Das tun wir permanent, und bei gewählten Farben tun wir es sogar mit einer bemerkenswerten Trefferquote. Der Fehler liegt darin, dass wir nicht unterscheiden zwischen dem, was jemand an sich trägt, und dem, womit er geboren wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus der angeborenen Haarfarbe auf den Charakter zu schließen ist so seriös wie eine Wettervorhersage aus der Wandfarbe. Aus der gewählten Farbigkeit eines Menschen zu lesen ist dagegen kein Aberglaube, sondern Wahrnehmungspsychologie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Sie es selbst ausprobieren möchten, brauchen Sie kein Labor. Öffnen Sie Ihren Kleiderschrank und schauen Sie nicht auf das Lieblingsstück, das Sie dreimal im Jahr tragen, sondern auf die vier Teile, die ständig in der Wäsche sind. Das sind Ihre Farben. Das Tagebuch liegt offen. Sie haben nur nie hineingesehen.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der Ausgangspunkt dieses Essays war eine Anfrage der BILD-Redaktion. Der dort erschienene Beitrag findet sich hier:</em> <a href="https://www.bild.de/leben-wissen/psychologie-liebe/welche-wirkung-ihre-haarfarbe-auf-andere-menschen-hat-6a5a12f229b150f031b1633d"><strong>Welche Wirkung Ihre Haarfarbe auf andere Menschen hat – BILD</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Studien und Quellen</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Eigene Forschung</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-axel-buether-das-grosse-buch-der-farbpsychologie-9783426447635?srsltid=AfmBOoqW40bFpWjbTnWEWxS7hSRzXp7y6dG_n9MNEXiTWBEQAOCm2VAf" data-type="link" data-id="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-axel-buether-das-grosse-buch-der-farbpsychologie-9783426447635?srsltid=AfmBOoqW40bFpWjbTnWEWxS7hSRzXp7y6dG_n9MNEXiTWBEQAOCm2VAf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Buether, A. (2025). <em>Das große Buch der Farbpsychologie. Was Farben über uns aussagen und wie wir sie für unser Leben nutzen können.</em> </a>München: Droemer Knaur. ISBN 978-3-426-44763-5. Enthält die Untersuchung zum Zusammenhang von Alltags-Kleidungsfarben und den Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen sowie den daraus entwickelten Farb-Persönlichkeitstest.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-axel-buether-die-geheimnisvolle-macht-der-farben-9783426277874?srsltid=AfmBOoq2Yrhli5f2_ywnV6q7LrEJg9BXm6MStEc6SKj-8FRw59f0OQw4" data-type="link" data-id="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-axel-buether-die-geheimnisvolle-macht-der-farben-9783426277874?srsltid=AfmBOoq2Yrhli5f2_ywnV6q7LrEJg9BXm6MStEc6SKj-8FRw59f0OQw4" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Buether, A. (2020). <em>Die geheimnisvolle Macht der Farben.</em></a> München: Droemer Knaur.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Internationale Studien</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Beddow, J. N. (2011). Hair Color Stereotypes and Their Associated Perceptions in Relationships and the Workplace. <em>Psi Chi Journal of Undergraduate Research</em>, 16(1).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liem, E. B. et al. (2004). Anesthetic Requirement Is Increased in Redheads. <em>Anesthesiology</em>, 101(2), 279–283.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Naumann, L. P., Vazire, S., Rentfrow, P. J. &amp; Gosling, S. D. (2009). Personality Judgments Based on Physical Appearance. <em>Personality and Social Psychology Bulletin</em>, 35(12), 1661–1671.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rich, M. K. &amp; Cash, T. F. (1993). The American image of beauty: Media representations of hair color for four decades. <em>Sex Roles</em>, 29(1–2), 113–124.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Swami, V. &amp; Barrett, S. (2011). British men&#8217;s hair color preferences: An assessment of courtship solicitation and stimulus ratings. <em>Scandinavian Journal of Psychology</em>, 52(6), 595–600.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Swami, V. et al. (2012). Personality differences between tattooed and non-tattooed individuals. <em>Psychological Reports</em>, 111(1), 97–106.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Takeda, M. B., Helms, M. M. &amp; Romanova, N. (2006). Hair Color Stereotyping and CEO Selection in the United Kingdom. <em>Journal of Human Behavior in the Social Environment</em>, 13(3), 85–99.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tate, J. C. &amp; Shelton, B. L. (2008). Personality correlates of tattooing and body piercing in a college sample. <em>Personality and Individual Differences</em>, 45(4), 281–285.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weir, S. &amp; Fine-Davis, M. (1989). &#8218;Dumb blonde&#8216; and &#8218;temperamental redhead&#8216;: The effect of hair colour on some attributed personality characteristics of women. <em>The Irish Journal of Psychology</em>, 10(1), 11–19.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Willis, J. &amp; Todorov, A. (2006). First impressions: Making up your mind after a 100-ms exposure to a face. <em>Psychological Science</em>, 17(7), 592–598.</p>
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		<title>Zu Gast bei „DAS! – Das Rote Sofa“ (NDR)</title>
		<link>https://axelbuether.de/2025/zu-gast-bei-das-das-rote-sofa-ndr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Axel Buether]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 13:36:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[Axel Buether]]></category>
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		<category><![CDATA[Farbpsychologie]]></category>
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		<category><![CDATA[prominenter Farbpsychologe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Samstag, 25. Oktober 2025, von 18:45 bis 19:30 Uhr, war Prof. Dr. Axel Buether zu Gast in der NDR-Sendung „DAS! – Das Rote Sofa“. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht das neue Buch „Das große Buch der Farbpsychologie. Was Farben über uns aussagen und wie wir sie für unser Leben nutzen können“, erschienen im Droemer [&#8230;]</p>
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<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1080" height="1080" src="https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-1080x1080.jpg" alt="" class="wp-image-13952" srcset="https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-1080x1080.jpg 1080w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-768x768.jpg 768w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-512x512.jpg 512w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-1536x1536.jpg 1536w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-24x24.jpg 24w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-36x36.jpg 36w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230-48x48.jpg 48w, https://axelbuether.de/wp-content/uploads/2025/10/Rotes-Sofa_AdobeStock_555983230.jpg 1800w" sizes="(max-width: 1080px) 100vw, 1080px" /><figcaption class="wp-element-caption">comfortable red couch with pillows in room with blue wall</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Am <strong>Samstag, 25. Oktober 2025, von 18:45 bis 19:30 Uhr</strong>, war Prof. Dr. Axel Buether zu Gast in der NDR-Sendung <strong>„DAS! – Das Rote Sofa“</strong>. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht das neue Buch <strong>„Das große Buch der Farbpsychologie. Was Farben über uns aussagen und wie wir sie für unser Leben nutzen können“</strong>, erschienen im <strong>Droemer Knaur Verlag</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Werk zeigt, wie <strong>Farbe als Sprache der Seele</strong> wirkt – als feines, aber mächtiges Medium, das unser Fühlen, Denken und Handeln beeinflusst. Farben prägen unsere <strong>Selbst- und Umweltwahrnehmung</strong> stärker als jeder andere Sinneseindruck und formen damit unser <strong>Bild von der Lebenswirklichkeit</strong>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Grundlage neuester psychologischer Forschung erklärt das Buch, wie Farben zu einem Instrument bewusster <strong>Selbstfürsorge und Selbstführung</strong> werden können – im Alltag, im zwischenmenschlichen Miteinander und in der Gestaltung persönlicher Räume.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem <strong>ersten wissenschaftlich fundierten Farb-Persönlichkeitstest</strong>, der aufzeigt, wie individuelle Farbpräferenzen mit Charaktermerkmalen, Stimmungen und inneren Bedürfnissen verknüpft sind.</p>



<p class="has-white-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-2 wp-block-paragraph" style="background-color:#cc1d29">Weitere Informationen zur Sendung <a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das_rote_sofa/norddeutschland-und-die-welt,sendung-23822.html" data-type="link" data-id="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das_rote_sofa/norddeutschland-und-die-welt,sendung-23822.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">DAS! RoteSofa auf der Homepage des NDR</a><br>Unter den folgenden Links findet sich der Beitrag in der <a href="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das_rote_sofa/norddeutschland-und-die-welt,sendung-23822.html" data-type="link" data-id="https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das_rote_sofa/norddeutschland-und-die-welt,sendung-23822.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mediathek des NDR</a> sowie der <a href="https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM2Nzc4M19nYW56ZVNlbmR1bmc" data-type="link" data-id="https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM2Nzc4M19nYW56ZVNlbmR1bmc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Mediathek der ARD</a></p>
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