Farbe ist ein Phänomen und zugleich Medium der visuellen Wahrnehmung und Kommunikation. Als Phänomen prägt sie das anschauliche Erlebnis unseres Seins in der Umwelt, während sie als Medium auf inhaltliche Bedeutungen, emotionale Stimmungen und funktionale Zusammenhänge verweist. Als Lichtfarbe erscheint sie dem Betrachter atmosphärisch aufgelöst, als Körperfarbe wirkt sie gestaltbildend und materialisierend.

Den Gegenpol des farbigen Lichts bildet die Dunkelheit, deren Einfluss auf die Ästhetik und Funktion der Erscheinungswelt sich am räumlichen Spiel der Schatten zeigt. Die vielschichtigen Empfindungen der Farbe resultieren aus den Wechselwirkungen des Lichts mit dem gesamten Organismus. Farbe und Licht bilden zwei Seiten des gleichen Phänomens, da Farbe leuchtet und Licht färbt.

Farbe ist die sinnliche Grundlage für jede Form von anschaulichem Lernen. Bereits kurz nach der Geburt wirken Farben faszinierend und interessant auf alle Kinder, die das verborgene Lernpotenzial mit allen Sinnen erforschen. Farben bilden unseren wichtigsten Weltzugang, da wir hierüber die meisten Eigenschaften und Verhaltensweisen von Menschen, Dingen und Räumen aus der Ferne wahrnehmen können. An den farbigen Pixeln unserer Wahrnehmungsbilder können wir sehen, was etwas ist, wie es sich verhält, und was wir damit tun können.

Was wir von der Welt der Farben bereits über unsere Lebenswelt erfahren haben, bildet sich in Form assoziativer Strukturen im Gedächtnis ab. Die Nervennetze unseres Gehirns spiegeln die Welt der Farben mit ihren Bedeutungen und Handlungsangeboten in jeder Lebensphase wider und tragen damit maßgeblich zur Erfahrungsbildung, zum Wissenserwerb und zur Persönlichkeitsentwicklung bei.

Der Begriff Bildung macht deutlich, dasss alle Lernformen wie Sprache oder Handlungspraktiken mit dem Erwerb aussagekräftiger Bilder verknüpft sind. In den Farben der Umwelt sehen wir nur das, wir zuvor bereits erfahren und gelernt haben.

Ort: Situation Kunst (für Max Imdahl)

Nevelstr. 29 c
44795 Bochum-Weitmar

Vortragstermin:

Sonntag, 26. Januar 2020, 11 Uhr

Link zur Website Kunstsammlung „Situation Kunst“