Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Warum sehen wir nur, was uns interessiert und welchen Einfluss hat die Aufmerksamkeit?

Je intensiver der Prozess der anschaulichen Auseinandersetzung mit einem gegebenen Sachverhalt erfolgt, je höher ist in der Regel auch die übertragene Informationsmenge oder das erworbene Wissen. Daher können wir uns mit anderen Menschen auch nur insoweit anschaulich verständigen, wie es uns gelingt, sie für unsere Inhalte zu interessieren.

Unser Kurzzeit- oder Arbeits­gedächt­nis bes­timmt unsere Gegen­wart oder den Zeitraum von weniger als ein­er Minute, der uns für gedankliche Prozesse zur Ver­fü­gung ste­ht. Durch die kurze Ver­weil­dauer kön­nen wir bei geschlosse­nen Augen nach weni­gen Sekun­den nur noch auf die Infor­ma­tio­nen aus dem Langzeitgedächt­nis zurück­greifen. Der Grund, warum unser Gehirn den­noch zu 80% mit der Ver­ar­beitung von räum­lich-visuellen Infor­ma­tio­nen beschäftigt ist, find­et sich an ander­er Stelle. Die natür­liche und soziokul­turelle Umwelt bilden einen aus­ge­lagerten Teil unseres anschaulichen Gedächt­niss­es. Dieses kön­nen wir insoweit gebrauchen, wie wir uns das Infor­ma­tionspo­ten­tial erschließen kön­nen. Dafür müssen wir anschaulich „lesen und schreiben“ oder bess­er „wahrnehmen und gestal­ten“ ler­nen.

Das Aufmerk­samkeits­be­wusst­sein beze­ich­net unser Ver­mö­gen und unsere Frei­heit, den Erken­nt­nis­prozess nach eigen­em Willen steuern und gestal­ten zu kön­nen. Über die Wahl unser­er Blick­rich­tung bes­tim­men wir den Inhalt unseres Bewusst­seins. Durch die Aufmerk­samkeit­srich­tung lenken wir unsere Blick­be­we­gun­gen auf die für uns bedeut­samen Ereignisse der Wahrnehmungssi­t­u­a­tion, wodurch die prob­lem­rel­e­van­ten Inhalte im Langzeitgedächt­nis aktiviert und in das Arbeits­gedächt­nis über­führt wer­den. Unsere Gedächt­nisleis­tun­gen und die damit ver­bun­de­nen Fähigkeit­en zum Gebrauch unseres Wis­sens im Beobach­tungs- und Gestal­tung­sprozess wer­den daher maßge­blich von der Konzen­tra­tions­fähigkeit und dem Inter­esse an der Prob­lem­si­t­u­a­tion bes­timmt.

Deut­lich erkennbar wird uns das Leis­tungsver­mö­gen des Arbeits­gedächt­niss­es beim Zeich­nen nach Mod­ell. An den Inter­vallen unser­er Blick­wan­derung kön­nen wir die Merkspanne und die kurzzeit­ig spe­icherbare Infor­ma­tion­s­menge able­sen. Fortschritte unser­er Darstel­lungs­fer­tigkeit­en und anschaulichen Denk­fähigkeit­en zeigen, dass wir unsere Konzen­tra­tions­fähigkeit und unser anschaulich­es Erin­nerungsver­mö­gen durch method­is­che Übun­gen maßge­blich steigern kön­nen.

Pub­lika­tion “Die Bil­dung der räum­lich-visuellen Kom­pe­tenz”

18.12.10 in Wissenstransfer
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