Design — Eine Begriffsklärung

Definition Design - Lexikon der Kunstpädagogik, Athena Verlag Oberhausen 2017

Der Begriff Design (lat. „designare“ - bestimmen, anordnen, bezeichnen, ersehen, planen) verweist auf die Kernkompetenz des Berufsfeldes, die konzeptionelle Arbeit an der Formgebung unserer Lebenswelt zur Erfindung, Bestimmung, Bezeichnung und Weiterentwicklung inhaltlicher Funktionen.

 

 

Begriff Design

Der Begriff Design (lat. „des­ignare“ — bes­tim­men, anord­nen, beze­ich­nen, erse­hen, pla­nen) ver­weist auf die Kernkom­pe­tenz des Berufs­feldes, die konzep­tionelle Arbeit an der For­mge­bung unser­er Lebenswelt zur Erfind­ung, Bes­tim­mung, Beze­ich­nung und Weit­er­en­twick­lung inhaltlich­er Funk­tio­nen. Ziel von Design ist die inno­v­a­tive Konzep­tion, funk­tionale Gestal­tung und erfol­gre­iche Ver­mark­tung materieller, dig­i­taler und kom­mu­nika­tiv­er Kul­tur­pro­duk­te und Kul­turtech­niken, welche durch ihre alltägliche Präsenz die Lebens-, Arbeits- und Vorstel­lungswelt des mod­er­nen Men­schen bilden. Als Exper­i­men­tier­feld neuer Tech­nolo­gien und ästhetis­ch­er Prak­tiken ist Design heute eine Triebkraft des soziokul­turellen, wirtschaftlichen, tech­nol­o­gis­chen, wis­senschaftlichen und kom­mu­nika­tiv­en Fortschritts mod­ern­er Gesellschaften.

Designgeschichte

Die Designgeschichte begin­nt mit der Mod­erne, der Aufk­lärung, der Natur­wis­senschaften und der indus­triellen Rev­o­lu­tion ganz­er Gesellschaften. Die Entwick­lung von Maschi­nen für die Massen­pro­duk­tion materieller Kul­turgüter ist untrennbar mit dem Prozess der For­mge­bung verknüpft. Tech­nis­che Inno­va­tio­nen treiben den Fortschritt der Pro­duk­ten­twick­lung, während konzep­tionelle Pro­duk­tin­no­va­tio­nen die Erforschung und Erprobung neuer Her­stel­lungs- und Ver­trieb­smeth­o­d­en anre­gen. Das Zeital­ter der Tech­nik kündigte sich 1851 mit der ersten inter­na­tionalen Leis­tungss­chau in Eng­land an, der Weltausstel­lung oder „Great Exhi­bi­tion“, auf der mehr als 17.000 Aussteller aus 28 Län­dern ein Pub­likum von 6 Mil­lio­nen Men­schen anzo­gen. Durch ihre enor­men wirtschaftlichen Impulse wurde die Indus­triemesse zum Typus inter­na­tionaler Leis­tungss­chauen, auf der glob­ale und regionale Unternehmen in regelmäßi­gen Inter­vallen ihre Inno­va­tion­skraft demon­stri­eren. Der Wider­spruch zwis­chen dem eklek­tizis­tis­chen Stil­gemisch der aus­gestell­ten Indus­triepro­duk­te und ihrer tech­nis­chen Natur regte die Suche nach ein­er neuen For­men­sprache an, die for­t­an immer weniger in Kun­st und Kun­sthandw­erken geführt wurde, son­dern im neuen Berufs­feld Design. Der „Jugend­stil“ oder „Art nou­veau“ kennze­ich­net die Epoche des Über­gangs zwis­chen dem kün­st­lerischen Unikat, der kun­sthandw­erk­lichen Klein­serie und der indus­triellen Massen­pro­duk­tion. Andere Strö­mungen wie die britis­che „Arts and Crafts Move­ment„ sucht­en als Gegen­be­we­gung nach Strate­gien der Rückbesin­nung auf die „Schön­heit des Mate­ri­als“ im Kun­sthandw­erk. Auch diese Geis­te­shal­tung find­et sich heute noch im mod­er­nen Design, was Jahr für Jahr auf wichti­gen Inte­ri­or-Design-Messen wie der „Salone Inter­nazionale del Mobile“ in Mai­land“ oder der „imm cologne“ in Köln besichtigt wer­den kann, bei denen eine Vielzahl handw­erk­lich man­u­fak­turi­ert­er Unikate und Klein­se­rien neben Massen­pro­duk­ten präsen­tiert wer­den. Ein Jahr nach der ersten Weltausstel­lung wurde 1852 das „Vic­to­ria and Albert Muse­um“ in Lon­don gegrün­det, dass die weltweit größte Samm­lung von „Kun­st­gewerbe und Design“ zeigt. „Design Museen“ wer­den meist als „Museen für ange­wandte Kun­st“ oder „Kun­st­gewerbe­museen“ beze­ich­net. Sie sind heute in den meis­ten großen Städten zu find­en und geben anschaulich Auskun­ft zu his­torischen und aktuellen The­men der Designgeschichte.[1]

Designprozess

Die Inhalte und Meth­o­d­en von Design wer­den am Design­prozess bzw. Design-Think­ing-Prozess ables­bar, der sich primär in 6 Phasen unterteilt:

  1. Prob­lemver­ständ­nis — Mod­er­a­tion der Prob­lemde­f­i­n­i­tion, Klärung der Prob­lem­lage und Vorstel­lun­gen aller Beteiligten zu Zie­len, Ziel­gruppe, Nutzen und Kosten­rah­men im Rah­men trans­diszi­plinär­er Tea­mar­beit
  2. Recherche Prob­lem­stel­lung — Unternehmens-, Pro­dukt-, Kosten-, Mach­barkeits- & Mark­t­analyse unter Wahrnehmung
der Zukun­ftspoten­ziale in Kul­tur und Tech­nik
  3. Ideen­suche Prob­lem­lö­sung - Entwurf unter­schiedlich­er Vari­anten zur Prob­lem­lö­sung unter Berück­sich­ti­gung ethis­ch­er Grund­sätze, gesellschaftlich­er Regeln und Nor­men, ästhetis­ch­er und tech­nis­ch­er Inno­va­tio­nen sowie per­son­eller, struk­tureller und finanzieller Ressourcen im Unternehmen
  4. Auswahl der Lösungsstrate­gie – ana­lytis­che Bew­er­tung von Nutzen, Erfol­gsaus­sicht­en & Aufwand unter Berück­sich­ti­gung intu­itiv­er Wis­sensres­sourcen & emo­tionaler Bew­er­tungskri­te­rien
  5. Pro­to­typ­ing und Kreation — Prak­tis­che Über­prü­fung und Opti­mierung der favorisierten Lösung am exem­plar­ischen Funk­tion­s­mod­ell
  6. Testen und Feed­back — Erprobung der Funktionseigenschaften& Nutzungspoten­ziale, Nutzung von Feed­back und kri­tis­che Analyse des Pro­jek­ter­fol­gs in der Anwen­dungsphase

Designpraxis

Die Design­prax­is bein­hal­tet jedoch nicht nur geistige und prak­tis­che Leis­tun­gen in der Konzep­tion­sphase, son­dern meist auch Pla­nungs-, Überwachungs- und Eval­u­a­tions­funk­tio­nen in der Pro­duk­tions- und Post­pro­duk­tion­sphase. Die Mar­ket­ingkom­pe­tenz von Designer­in­nen und Design­ern sichert den wirtschaftlichen Erfolg von Pro­duk­ten und Dien­stleis­tun­gen, der mit sub­stanziellen Ken­nt­nis­sen der Mark­tbe­din­gun­gen sowie Meth­o­d­en zur Antizipa­tion gegen­wär­tiger und zukün­ftiger Bedürfnisse von Kun­den und Gesellschaft ein­herge­ht. Design gilt heute als strate­gis­ch­er Wirtschafts­fak­tor, als Mod­ernisierungsmo­tor und Erfol­gs­fak­tor für die Zukun­ft mod­ern­er Gesellschaften.[2] Kom­pe­tenzzen­tren für Design wie der vor mehr als 60 Jahren vom Deutschen Bun­destag ini­ti­ierte „Rat für For­mge­bung“ sind heute in allen Bun­deslän­dern präsent. Sie tra­gen zur Entwick­lung und öffentlichen Wahrnehmung des Berufs­feldes bei, fördern die Wet­tbe­werb­s­fähigkeit der Indus­trie und sind Ansprech­part­ner für Infor­ma­tions- und Bil­dungszwecke.

Design­pro­duk­te und Dien­stleis­tun­gen sind oft sehr kom­plex und wer­den daher durch inter­diszi­plinäre Teams erar­beit­et, weshalb die Urhe­ber­schaft oft­mals nach Sparten aufgeteilt wird oder ganze Grup­pen umfasst. Design­pro­duk­te sind heute urhe­ber­rechtlich geschützt, wenn sie als Inno­va­tio­nen oder kün­st­lerische Leis­tun­gen anerkan­nt wer­den. Primäre Gebrauchs­funk­tio­nen ste­hen dem nicht ent­ge­gen[3]. Design­er und Designer­in­nen kön­nen auf Grund ihrer Per­sön­lichkeit und Leis­tun­gen einen Bekan­ntheits­grad erre­ichen, der ihre Namen, Pro­duk­ten und Unternehmen einen Marken­charak­ter ver­lei­ht.[4] Ähn­lich wie bei bekan­nten Kün­stler­per­sön­lichkeit­en ste­ht das gesamte Werk promi­nen­ter Design­er­per­sön­lichkeit­en unter urhe­ber­rechtlichen Schutz.

Im Design­prozess kom­men handw­erk­liche, wis­senschaftliche und kün­st­lerische Meth­o­d­en zur Anwen­dung, weshalb die Des­ig­naus­bil­dung je nach Schw­er­punkt an Beruf­ss­chulen, Fach­hochschulen, Kun­sthochschulen und Uni­ver­sitäten behei­matet ist. Design umfasst die Beruf­sprax­is von Designer­in­nen und Design­ern, die heute durch ein Spek­trum von über 100 ver­schiede­nen Aus­bil­dungs­berufen sowie Bach­e­lor- und Mas­ter­stu­di­engän­gen charak­ter­isiert wird.[5] Einen guten Überblick auf Ange­bote, The­men und Qual­ität der Bil­dungsstät­ten ermöglichen die zahlre­ichen Jahre­sausstel­lun­gen, auf denen her­aus­ra­gende Pro­jek­te und Abschlus­sar­beit­en gezeigt wer­den. Design­fes­ti­vals wie das „DMY“ in Berlin, das „Dutch Design Fes­ti­val“ in Eind­hoven oder das „Lon­don Design Fes­ti­val“ zeigen inter­na­tionale Design­trends und sind ein Forum für den kreativ­en Nach­wuchs. Wichtige Design-Fachzeitschriften wie „design report“ (Überblick), „form“ (Indus­trie-Design), „novum“ (Grafikde­sign), „page“ (Kom­mu­nika­tions­de­sign), fotoMAGAZIN (Fotografie) oder AIT (Inte­ri­or Design) bilden aktuelle The­men­schw­er­punk­te ab. Qual­i­ta­tive Ori­en­tierung im Feld neuer Pro­duk­te bieten namhafte Design­preise wie der „Red Dot Design Award“ (Design Zen­trum NRW) oder der „Ger­man Design Award“ (Rat für For­mge­bung).

Die wichtigsten Designfelder 2016 im Überblick [6]:

  • Indus­triedesign, Pro­duk­t­de­sign, Pro­duk­ten­twick­lung
  • Kom­mu­nika­tions­de­sign, Visuelle Kom­mu­nika­tion, Grafikde­sign, Edi­to­r­i­al Design
  • Film, Fotografie, Illus­tra­tion, Cre­ative Direc­tion
  • Medi­en­de­sign, Infor­ma­tions­de­sign, Design­in­for­matik
  • Mul­ti­me­dia-Design, Com­put­er-Ani­ma­tion, Motion-Design
  • Inter­ac­tion Design, Inter­facedesign, Gamedesign
  • Design audio­vi­sueller Medi­en, Regie, Kam­era, Schnitt, Licht, Ton, Szenen­bild
  • Innenar­chitek­tur, Inte­ri­or Design, Raum­strate­gien
  • Szenografie, Ausstel­lungs­de­sign
  • Büh­nen­bild, Masken­bild, Kostüm­bild
  • Mod­edesign, Tex­tilde­sign, Schmuck­de­sign, Keramik- Glas­de­sign
  • Kun­st- und Design­wis­senschaften, Design­man­age­ment

Berufsbild von Designerinnen und Designern

Das Berufs­feld für Designer­in­nen und Design­er reicht in nahezu alle Bere­iche der Gesellschaft, da Pro­duk­te, Dien­stleis­tun­gen und Infor­ma­tio­nen so gestal­tet wer­den müssen, dass ihre Funk­tio­nen sicht­bar wer­den und die beab­sichtigten Wirkun­gen auf die Ziel­gruppe ent­fal­ten. Der glob­ale Wet­tbe­werb sorgt für einen ständi­gen Inno­va­tions­druck, weshalb Designer­in­nen und Design­er nicht nur an der Opti­mierung der For­men und Funk­tio­nen unser­er materiellen Kul­tur arbeit­en, son­dern ständig auf der Suche nach Neuen­twick­lun­gen sind. Design ist die Triebkraft der Kon­sumge­sellschaft, was enorme Risiken und Chan­cen für das Berufs­feld birgt, nimmt man den ver­ant­wor­tungsvollen Umgang mit Ressourcen sowie die Auswirkun­gen auf Gesellschaft, Umwelt und Gesund­heit des Men­schen in den Blick. Die wach­senden The­o­riefelder Design­the­o­rie und Design­forschung set­zen sich kri­tisch mit den gesellschaftlichen Ursachen, Poten­zialen und Fol­gen dieser Prozesse auseinan­der, um Ver­ste­hen zu erzeu­gen, Inhalte zu sys­tem­a­tisieren, Meth­o­d­en abzuleit­en sowie Hand­lungskon­se­quen­zen und Denkprozesse anzure­gen.[7]Die Design­fakultäten der Uni­ver­sitäten, Kun­sthochschulen und Fach­hochschulen sowie die „Deutsche Gesellschaft für Design­the­o­rie und -forschung“ (dgtf) sor­gen für Aus­tausch, Ver­net­zung und Infor­ma­tion, die Anre­gung fach­lich­er Diskurse und die Förderung des wis­senschaftlichen Nach­wuch­ses.

 


[1] Gert Selle: Die Geschichte des Design in Deutsch­land, Cam­pus 2007
Raiz­man, David: His­to­ry of Mod­ern Design, Lau­rence King Pub­lish­ing 2010

[2] Beat Schnei­der: Design — eine Ein­führung: Entwurf im sozialen, kul­turellen und wirtschaftlichen Kon­text, Birkhäuser Basel 2009

[3] BGH, Urteil vom 13. Novem­ber 2013, Az. I ZR 143/12

[4] Enri­co Mor­teo: Design-Atlas: Von 1850 bis heute, DuMont Köln 2015

[5] Bun­de­sagen­tur für Arbeit, Berufenet, https://berufenet.arbeitsagentur.de

[6] studienwahl.de – design, Hg. Die Län­der der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land in Koop­er­a­tion mit der Bun­de­sagen­tur für Arbeit, http://www.studienwahl.de

[7] Uta Bran­des et al.: Design­the­o­rie und Design­forschung, Pader­born 2009

 

Lexikon der Kun­st­päd­a­gogik
Kunib­ert Bering, Rolf Niehoff, Kari­na Pauls (Hg.)
Athena Ver­lag Ober­hausen
1. Auflage 2017, 512 Seit­en,
Bre­itk­lap­pen­broschur 17 x 24 cm
ISBN: 978–3-89896–690-0

Link Athena Ver­lag

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08.07.17 in Wissenstransfer
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