Xenius: Farbwahrnehmung! Wie wirkt Farbe auf uns?

Xenius Wissensmagazin ARTE Sendetermin Freitag, 28. Juli um 16.45 Uhr

Die Welt ist ohne Farben nicht vorstellbar. Farbe verstärkt Emotionen und ruft bestimmte Assoziationen hervor. Aber wie funktioniert das? Und ist das bei allen Menschen gleich? Emilie Langlade und Adrian Pflug treffen in Wuppertal den Farbwirkungsforscher Axel Buether. Er wird die beiden Moderatoren mit Farbexperimenten auf die Probe stellen.

Foto Copy­right: Janett Kartelmey­er / AVE

Die Macht der Farben

Unser Gedächt­nis legt fest, was uns eine Farbe bedeutet und wie Far­ben auf unsere Gedanken und Gefüh­le wirken. Far­ben bes­tim­men das Erleb­nis von Selb­st und Umwelt. Sie bee­in­flussen unser Ver­hal­ten und steuern unsere Hand­lun­gen, obwohl wir die Ursache für diese „Macht der Far­ben“ nur sel­ten erken­nen. Wir kön­nen sie spüren, wenn wir „unap­petiliche Far­ben“ essen, „hässliche Far­ben“ am Kör­p­er tra­gen oder in „geschmack­losen Far­ben“ leben sollen.

Jed­er Men­sch bildet im Ver­lauf seines Lebens eigene Farbpräferen­zen aus, ein Reper­toire an Lieblings­far­ben, durch die wir unser­er Umwelt etwas mit­teilen, mit denen wir uns iden­ti­fizieren, durch die wir uns abgren­zen. Wir set­zen diese Far­ben gezielt ein, um Wirkun­gen auf das Erleben und Ver­hal­ten ander­er Men­schen zu erzie­len. Dazu nutzen wir nicht eine einzige Lieblings­farbe, son­dern eine Palette bewährter Far­ben, mit denen wir die gewün­schte Wirkung am besten erzie­len kön­nen. Das erk­lärt auch den Wider­spruch zwis­chen der Angabe unser­er Lieblings­farbe und deren man­gel­nder Präsenz in unserem All­t­ag. Wenn wir Blau beson­ders mögen, heißt das nicht, dass wir blaue Pro­duk­te beson­ders gerne kaufen, blaue Nahrungsmit­tel beson­ders gerne essen oder uns blaue Dinge am aufmerk­sam­sten und läng­sten anschauen. Es bedeutet vielmehr, dass wir bei der Suche nach unser­er Lieblings­farbe vielle­icht an Dinge gedacht haben, die wir beson­ders gerne tun, wie das Baden im Meer unter einem wolken­freien Som­mer­him­mel.

Genau­so ver­hält es sich mit der Frage nach den unbe­liebtesten Far­ben, bei denen Braun in unserem Kul­tur­raum am schlecht­esten abschnei­det, weil wir sofort an die Sym­bol­farbe des Faschis­mus denken. In der Real­ität wirkt Braun völ­lig anders. Wir schätzen die natür­liche Farbe brauner Erden und Hölz­er, das Fell viel­er Tiere, den Gebrauch brauner Klei­dung und brauner Natur­ma­te­ri­alien in Pro­duk­t­de­sign und Raumgestal­tung. Die meis­ten Men­schen lieben den würzi­gen Geschmack brauner Genuss­mit­tel wie Schoko­lade, Kuchen und Kaf­fee. Wenn eine Farbe leck­er aussieht, regt sie unseren Appetit an und ver­führt uns zum Kon­sum, ob wir wollen oder nicht. Wenn eine Farbe oder Far­bkom­po­si­tion schön und ver­führerisch aussieht, löst sie Wün­sche und Begehrlichkeit­en aus, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Far­ben wirken auf unsere Erleben und Ver­hal­ten, ob wir die Ursachen dafür ken­nen oder nicht.

Jed­er Men­sch ist ein Far­b­ex­perte, da wir alle seit unser­er Geburt die Wirkun­gen der Far­ben spüren und wahrnehmen, sobald wir mit der anschaulich sicht­baren Umwelt inter­agieren. Das Far­bgedächt­nis bildet einen wichti­gen Teil der Lebenser­fahrung jedes Men­schen und eine zuver­läs­sige Basis für unser Han­deln. Ger­ade deshalb reagieren wir beson­ders ent­täuscht, wenn etwas nicht so ist oder sich so ver­hält, wie es die Farbe ver­spricht. Wir mögen nicht, wenn uns schöne Far­ben nicht klei­den, wenn uns leckere Far­ben nicht schmeck­en oder wir uns in geschmack­vollen Far­ben nicht wohl fühlen. Wir reagieren verärg­ert, wenn Far­ben unsere Aufmerk­samkeit beanspruchen und uns den­noch nichts zu geben oder mitzuteilen haben.

Daher ist es wichtig, dass sich Far­bgestal­ter nicht nur mit den Wirkun­gen der Far­ben auf den Men­schen auseinan­der­set­zen, son­dern auch mit deren Ursachen. Die find­en sich in den Lebenser­fahrun­gen und Leben­sum­stän­den der Per­son oder Ziel­gruppe, die jed­er erfol­gre­ichen Far­bentschei­dung zu Grunde gelegt wer­den müssen. Erfol­gre­iche Far­bgestal­tung ist ange­wandte Farbpsy­cholo­gie

Sende­ter­mine: Fre­itag, 28. Juli um 16.45 Uhr arte

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11.07.17 in Forschung, Wissenstransfer
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