Wahrnehmung von Raumatmosphären

Welche Wirkungen haben Raumatmosphären auf unser Erleben und Verhalten?

Die Atmosphäre der natürlichen Umwelt informiert uns über unsere gegenwärtigen Lebens- und Handlungsbedingungen und berührt zugleich auch unser ästhetisches Empfinden durch ihre phänomenale Erscheinungsweise. Mit der Gestaltung der Raumatmosphären unserer soziokulturellen Umwelt sollten wir daher in der gleichen Weise unseren funktionalen, wie ästhetischen Bedürfnissen folgen.

Alle sinnlich spür­baren Zus­tands­beschrei­bun­gen der Umwelt haben einen maßge­blichen Ein­fluss auf unser Erleben und Han­deln. Dazu gehören die Verän­derun­gen der Materie, wie die der Atmo­sphäre. Unser Gehirn gle­icht die atmo­sphärischen Verän­derun­gen von Far­ben, For­men und Bewe­gun­gen per­ma­nent aus. Hier­durch nehmen wir die materielle Struk­tur der Umwelt rel­a­tiv kon­stant wahr, obgle­ich jede Verän­derung unbe­wusst auf unseren Kör­perzu­s­tand wirkt. Verän­derun­gen von Licht und Farbe bee­in­flussen alle veg­e­ta­tiv­en Kör­per­funk­tio­nen, wie den Stof­fwech­sel, die Atmung und den Blut­druck oder den Muskel­tonus. Auch unsere emo­tionalen Stim­mungen wech­seln mit der Atmo­sphäre der Räume unseres Aufen­thalts, während uns der Grund dafür nur sel­ten bewusst wird.

Die Lufthülle der Erde bildet einen atmo­sphärischen Raum, dessen Wet­ter­erschei­n­un­gen, wir mit allen Sin­nen spüren. Die feinen Par­tikel der Luft absorbieren, reflek­tieren und streuen die ener­getis­che Strahlung der Sonne. Sie kön­nen sich über die Auf­nahme von Feuchtigkeit zu Wolken verdicht­en und ther­mis­che Reak­tio­nen, wie Wind, Sturm oder Gewit­ter, aus­lösen. Durch den Wech­sel der Tages- und Jahreszeit­en sowie der Wet­terbe­din­gun­gen verän­dert sich die Atmo­sphäre im Außen- sowie in den Innen­räu­men unser­er baulichen Struk­turen beständig. Durch die Farb- und Lichtwech­sel weit­et oder verengt, ent­gren­zt oder verdichtet, strahlt oder verdüstert sich unser gesamter Leben­sraum. Mit der Zeitlichkeit und Räum­lichkeit der Atmo­sphäre verän­dert sich nicht nur das Ausse­hen der Umwelt, son­dern auch das anschauliche Infor­ma­tionspo­ten­tial.

Die Wech­sel der Rau­mat­mo­sphäre bes­tim­men den zeitlichen Rhyth­mus unseres Stof­fwech­sels. Dieser bee­in­flusst unser kör­per­lich­es Wohlbefind­en, unsere Gesund­heit, unsere geisti­gen und leben­sprak­tis­chen Aktiv­itäten sowie unsere Hand­lungsmo­ti­va­tion. Während das Wet­ter in der Regel nicht von uns verän­der­bar ist, kön­nen wir die Atmo­sphären unser­er Leben­sräume über die Wirkun­gen von Farbe und Licht nach unseren Bedürfnis­sen gestal­ten.

Pub­lika­tion “Die Bil­dung der räum­lich-visuellen Kom­pe­tenz”

16.12.10 in Wissenstransfer
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