Herr Professor Buether, wie nehmen wir Raum wahr?

Die Raumwahrnehmung erfolgt über verschiede Sinne. Ich benutze hier den Begriff der Multisensualität, welcher auf den inhaltlichen Abgleich aller Sinneswahrnehmungen verweist: Das Gehirn des Menschen konstruiert Welt, indem es verschiedene Sinneseindrücke vergleicht mit dem, was der jeweilige von der Welt bereits erlebt hat. Dies geschieht zu über 99 % unbewusst. Dieses Erfahrungswissen wird im impliziten Gedächtnis gespeichert und ist damit nicht spontan verfügbar, wenn wir es z. B. als Planer am dringendsten benötigen. Die Explikation unseres Erfahrungswissens erfolgt durch Versprachlichung, Verbildlichung oder andere Formen eines bewussten Handelns.

Architekten, die sich nicht explizit mit den Grundlagen ihrer Wahrnehmung auseinandersetzen, entwerfen die grundlegenden Faktoren für das Erlebnis und die Qualität von Räumen unbewusst oder aus dem Bauch heraus. Das bringt ein gewisses Risiko für die spätere Nutzung und Wertigkeit mit sich, welches wir im Bereich der Konstruktion längst überwunden haben. Wollen wir die erlebbare Qualität gebauter Räume nicht allein unserem Bauchgefühl oder den durch Standards festgeschriebenen Konventionen überlassen, müssen wir unseren Weg zu einer neugierig-erforschenden und methodisch-reflektierten Selbst- und Umweltwahrnehmung finden.

Link zur vollständigen digitalen Version des Artikels

Link zur Internetausgabe der Zeitschrift

Link zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe „Wahrnehmung“


Hinterlassen Sie einen Kommentar