Die Sprache des Raums

Beitrag Buchpublikation - Architektur Wahrnehmen - transcript Verlag 2018

Die Arbeit des Architekten ist politischer Natur, da er mit der Gestaltung des menschlichen Lebensraums zugleich auch die Wahrnehmung von Gesellschaft formt, die wiederum seinen Handlungsspielraum vorgibt. Wir nehmen Raum mit allen Sinnen, unserem Gefühl und Verstand wahr. Daher ist es nicht nur von Bedeutung, wie ein Raum aussieht, sondern ebenso wie er sich anfühlt.

Abstract Beitrag

Raum ist ein Wel­terken­nt­nis- und Weltbeschrei­bungssys­tem sowie Weltver­mit­tlungs- und Welt­gestal­tungssys­tem.

Die Arbeit des Architek­ten ist poli­tis­ch­er Natur, da er mit der Gestal­tung des men­schlichen Leben­sraums zugle­ich auch die Wahrnehmung von Gesellschaft formt, die wiederum seinen Hand­lungsspiel­raum vorgibt. Wir nehmen Raum mit allen Sin­nen, unserem Gefühl und Ver­stand wahr. Daher ist es nicht nur von Bedeu­tung, wie ein Raum aussieht, son­dern eben­so wie er sich anfühlt, wie er riecht, klingt, sich verän­dert oder sich ver­hält, wenn wir mit ihm inter­agieren.

In Bezug auf unsere Wahrnehmung funk­tion­iert Raum wie eine Sprache, da die Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Kör­p­er und Umwelt nicht nur unser Über­leben gewährleis­ten, son­dern auch zum Gegen­stand von Wis­sen und Erken­nt­nis wer­den kön­nen. Der Men­sch ist in der Lage, die Bedin­gun­gen sein­er Exis­tenz in der Umwelt wahrzunehmen, zu kom­mu­nizieren und wil­lentlich zu gestal­ten. Jed­er Ein­griff in die Umwelt verän­dert die Form unseres Leben­sraums und hat damit zugle­ich Kon­se­quen­zen auf die Form unseres Zusam­men­lebens, die Entwick­lungs­dy­namik von Indi­viduen und Gesellschaften.

Durch das Erleben und den Gebrauch des Kul­tur­raums erschließen wir uns die über­lebenswichti­gen Prak­tiken und Funk­tio­nen des gesellschaftlichen Zusam­men­lebens. Die Raumwahrnehmung ini­ti­iert und fördert einen gen­er­a­tionsüber­greifend­en Lern­prozess, der stetiger Erneuerung bedarf und daher niemals abgeschlossen sein kann. Junge Men­schen nehmen wahr, wie Gesellschaft funk­tion­iert und wo sie ver­sagt. Am Gebrauch des Raums zeigt sich, was uns wichtig und nüt­zlich ist oder seinen Zweck ver­loren hat, was es zu bewahren oder zu erneuern gilt. Die psy­chol­o­gisch-ästhetis­che Erforschung der Raumwahrnehmung ist daher die Leitwissenschaft der Umwelt­gestal­tung, von der Stadt­pla­nung über die Architek­tur bis zur Innenar­chitek­tur und Szenografie.

Beitrag in: Architektur wahrnehmen

Architek­tur bee­in­flusst uns wie kaum ein ander­er Umwelt­fak­tor. Eine inten­sive Beschäf­ti­gung mit ihr ist deshalb in unserem ure­igen­sten Inter­esse. Architek­ten, Psy­cholo­gen, Bild­hauer, Kun­st­di­dak­tik­er, Geschichts- und Medi­en­wis­senschaftler, Kun­st­geschichts- und Erziehungswis­senschaftler wid­men sich in diesem Grund­la­gen­werk den unter­schiedlichen Facetten der Architek­tur­wahrnehmung und zeigen dadurch das Poten­tial auf, das in ein­er Auseinan­der­set­zung mit ihr liegt. So wird nachvol­lziehbar, was für Men­schen geeignete Architek­tur aus­macht – über alle indi­vidu­ellen Präferen­zen hin­weg. Der Band richtet sich an Architek­tur-Studierende, Architek­ten, Umweltpsy­cholo­gen und andere Beschäftigte im Bere­ich der Architek­tur sowie ganz aus­drück­lich an alle Architek­tur- Nutzer.

Architek­tur wahrnehmen
Alexan­dra Abel, Bernd Rudolf (Hg.)
ISBN 978–3-8376–3654-3

tran­script Ver­lag

buecher.de

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19.12.17 in Wissenstransfer
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