Funktion der Farbe in der Architektur

Vortrag Hagemeister Klinker Fachseminar 27. und 28. Februar 2018

Farbe wird erst dann zu einem modernen Entwurfswerkzeug, wenn Planer über umfassende theoretische Kenntnisse verfügen, die sie vor dem Hintergrund eigener praktischer Erfahrungen anwenden können.


Foto Axel Buether, Basel

Farbe als Entwurfswerkzeug

Das richtige Maß der Far­bgestal­tung, die immer eine far­bliche Codierung ist, muss im Entwurf­sprozess stets neu im Kon­text der Anwen­dungssi­t­u­a­tion und Auf­gabe aus­ge­han­delt wer­den, damit Ori­en­tierung erhal­ten erzeugt, bleibt oder verbessert wird. Physikalis­che, chemis­che, neu­ro­bi­ol­o­gis­che, psy­chol­o­gis­che, philosophis­che, semi­o­tis­che, kul­turhis­torische, sozi­ol­o­gis­che und anwen­dung­sprak­tis­che Erken­nt­nisse kön­nen dabei Hil­festel­lung leis­ten. Den­noch gibt es keine Berech­nungsmeth­ode, kein Beschrei­bungsmod­ell und kein Pla­nungsver­fahren, mit denen sich die vielschichti­gen Wirkun­gen von Farbe im Raum voll­ständig erfassen lassen. Farbe wird zum Entwurf­swerkzeug, wenn sich Gestal­ter, Plan­er und Entschei­dungsträger von kon­ven­tionellen Bew­er­tun­gen wie »schön« und »hässlich« lösen und sich stattdessen mit den kom­mu­nika­tiv­en Funk­tio­nen der Farb­wahrnehmung und Far­bgestal­tung auseinan­der­set­zen.

Par­al­lel zur Entwick­lung der Mod­erne hat sich eine aus vie­len Grün­den prob­lema­tis­che Tren­nung des gestal­ter­ischen Berufs­feldes in einen planer­isch-konzep­tionellen und einen handw­erk­lich-aus­führen­den Teil durchge­set­zt. Daher kön­nen sich heute nur noch wenige Architek­ten und Design­er bei ihrer Entwurf­sar­beit auf eigene handw­erk­liche Erfahrun­gen stützen, was für die visuelle Gestal­tung der materiellen Kul­tur uner­lässlich ist. Farbe wird jedoch erst dann zu einem mod­er­nen Entwurf­swerkzeug, wenn Plan­er über umfassende the­o­retis­che Ken­nt­nisse ver­fü­gen, die sie vor dem Hin­ter­grund eigen­er prak­tis­ch­er Erfahrun­gen anwen­den kön­nen.

Wie die tech­nol­o­gis­chen müssen auch die vielschichti­gen kom­mu­nika­tiv­en Wirkun­gen der Farbe im gesamten Entwurfs-, Pla­nungs- und Umset­zung­sprozess mitgedacht wer­den. Dafür muss Farbe zuerst ein­mal eine ganzheitliche Wahrnehmung ihrer Funk­tion als lin­ien-, flächen-, kör­p­er- und raum­bilden­des Ele­ment, als emo­tion­al­isieren­des Kom­mu­nika­tion­s­medi­um, als iden­ti­fika­tions­bilden­des Ori­en­tierungssys­tem, als visuell-hap­tis­che Ober­flächen­qual­ität wie auch als atmo­sphärische Lichtqual­ität erfahren. Die kom­mu­nika­tion­swis­senschaftliche, kul­turhis­torische, natur­wis­senschaftliche, tech­nol­o­gis­che, ästhetis­che und anwen­dung­sprak­tis­che Auseinan­der­set­zung mit Farbe sollte daher in allen Bil­dung­sein­rich­tun­gen von Handw­erk, Tech­nik, Design, Kun­st und Architek­tur erfol­gen.

Nie­mand kann sich der Auseinan­der­set­zung mit Farbe entziehen, denn sin­ngemäß gilt das Axiom von Paul Wat­zlaw­ick auch für das Medi­um der visuellen Gestal­tung und Kom­mu­nika­tion: Man kann nicht nicht far­big gestal­ten.

Ver­anstal­ter: Hage­meis­ter GmbH & Co. KG

Ver­anstal­tung­sort: Klink­er­w­erk und Ausstel­lungszen­trum Bux­trup 3  D-48301 Not­tuln

Link zur Home­page des Ver­anstal­ters

 

20.01.18 in Wissenstransfer
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