Bildung der Wahrnehmung

Warum lässt sich Denken und Handeln nur durch die Veränderung der Wahrnehmung erweitern?

Die perspektivische Struktur des Anschauungsraums regelt das dynamische Verhältnis zwischen dem Beobachter, dem betrachteten Subjekt und der Lichtquelle. Durch die Personalisierung der visuellen Informationen wird die Umwelt zu einem gerichteten Raum, in dem sich Subjekt und Objekt gegenüberstehen.

Ohne unser rich­tungserzeu­gen­des Bewusst­sein weist die Umwelt kein oder unendlich viele Zen­tren auf. Unsere Beobachter­po­si­tion legt das Zen­trum der per­spek­tivis­chen Struk­tur unseres Anschau­ungsraums fest. Jede Verän­derung des eige­nen Stand­punk­tes in diesem raumzeitlichen Ord­nungssys­tem bringt eine neue Sichtweise auf den Gegen­stand der Betra­ch­tung mit sich. Unsere Blick­rich­tung aktiviert das Zen­trum im Wis­sensnet­zw­erk unseres Gehirns, auf das sich der gesamte assozia­tive Kon­text der Sit­u­a­tion aus­richtet.

Während die Stel­lung der Worte die Satzaus­sage bes­timmt, leg­en wir die Gesam­taus­sage eines anschaulichen Werkes durch die Anord­nung oder Kom­po­si­tion sein­er Teile fest. Durch die Festschrei­bung unser­er Per­spek­tive ver­mit­teln wir dem Betra­chter unsere Sichtweise und geben ihm seine Leserich­tung vor. Der Ver­fass­er eines anschaulichen Werkes bildet daher immer das Sub­jekt im Gestal­tung­sprozess, welch­es dem Objekt seine Sichtweise für die Lösung der mit dem Her­stel­lungszweck ver­bun­de­nen Prob­lem­stel­lung einbeschreibt. Im Deu­tung­sprozess hinge­gen wird der Betra­chter über das Werk mit der Per­spek­tive des Gestal­ters kon­fron­tiert und aufge­fordert, sich dessen Ideen­welt zu erschließen. Jedes anschauliche Werk unseres Natur- oder Kul­tur­raums ist daher mehrdeutig und eröffnet uns unendlich viele Per­spek­tiv­en zur Bil­dung eines Stand­punk­tes und Hin­ter­fra­gung unser­er Sichtweise.

Unsere Fähigkeit zur Verän­derung des gegen­wär­ti­gen Stand­punk­tes bes­timmt unseren Denk- und Hand­lungsspiel­raum. Nur hier­durch kön­nen wir immer neue Per­spek­tiv­en ent­deck­en. Die Entwick­lungsper­spek­tive des Natur- und Kul­tur­raums zeigt sich uns heute vor dem Hin­ter­grund eines evo­lu­tionären Schöp­fung­sprinzips. Die Beobach­tung von Lebe­we­sen eröffnet uns Per­spek­tiv­en auf die Mor­pho­genese ihres Organ­is­mus, wie uns Pro­duk­te Per­spek­tiv­en auf ihren Gebrauch­szweck ver­mit­teln. Biosphären zeigen uns Per­spek­tiv­en auf die ökol­o­gis­chen Bedin­gun­gen ihrer Entste­hung, wie uns Städte Per­spek­tiv­en der Gesellschaft auf die Bedin­gun­gen des Zusam­men­lebens offen­baren.

Pub­lika­tion “Die Bil­dung der räum­lich-visuellen Kom­pe­tenz”

29.12.10 in Wissenstransfer
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