Atmo­sphä­ri­sche Wir­kun­gen der Far­ben

Auszug Leitartikel FACES OF INTERIOR Ausgabe 1/2017

Atmosphären sind das mächtigste Werkzeug der Raumgestaltung, vom Maßstab der Städte bis zu unseren Arbeitsumgebungen und privaten Wohnbereichen. Sobald wir Räume planen und bauen, gestalten wir gleichsam Atmosphären.

Gestal­tung von Atmo­sphä­ren

Wir arbei­ten male­risch mit Licht und Dun­kel, wenn wir die ent­wor­fe­nen Räu­me dem Licht zuwen­den, sie vom Licht abwen­den, das Licht durch Öff­nun­gen in den Innen­raum her­ein­ho­len oder es durch Wän­de und Decken davon aus­gren­zen. Hel­le Mate­ria­li­en und Ober­flä­chen spie­geln das warm­wei­ße Spek­trum des Son­nen­lichts, das uns bunt­far­big leuch­tend erscheint, wo Tei­le des Spek­trums durch Absorp­ti­on in Wär­me gewan­delt wer­den. Dunk­le Mate­ria­li­en absor­bie­ren den sicht­ba­ren Teil des ein­fal­len­den Lichts hin­ge­gen stark oder voll­stän­dig, wodurch sich auch der Anteil des ambi­en­ten Lichts redu­ziert.

Sinkt der Refle­xi­ons­an­teil der dem Licht zuge­wand­ten Flä­chen, wir­ken die Ober­flä­chen aller ande­ren Bau­tei­le glei­cher­ma­ßen kon­tra­stär­mer, struk­tur­lo­ser, dunk­ler und unge­sät­tig­ter. Die gesam­te Raum­at­mo­sphä­re trübt sich ein, womit star­ke Ver­än­de­run­gen der Mate­ri­al­far­big­keit bzw. Archi­tek­tur­far­big­keit ein­her­ge­hen. Mit zuneh­men­der Trü­bung ver­rin­gert sich die Hap­tik und Wer­tig­keit der ver­wen­de­ten Mate­ri­al­ober­flä­chen und Objek­te. Zugleich wird die Ori­en­tie­rung im Raum erschwert.

Den nega­ti­ven Effek­ten der Trü­bung kön­nen wir durch Kunst­licht ent­ge­gen­wir­ken, in dem wir Licht­far­ben metho­disch pla­nen und gezielt ein­set­zen. Über die atmo­sphä­ri­sche Qua­li­tät von Außen- und Innen­räu­men ent­schei­det das Wahr­neh­mungs­gan­ze. Das beginnt mit der per­spek­ti­visch geplan­ten For­mung, Set­zung, Fügung und Kom­po­si­ti­on aller Bau­tei­le zuein­an­der und zum gesam­ten Raum, führt über die hap­ti­sche Struk­tur sämt­li­cher Farbober­flä­chen und endet bei der Aus­wahl und Anord­nung aller Licht­quel­len, den Fest­le­gun­gen zur Licht­far­be und Beleuch­tungs­stär­ke sowie der Set­zung von ambi­en­ten, dif­fu­sen und spe­ku­la­ren Akzen­ten.

Kunst­licht ist ein hoch­ef­fek­ti­ves Werk­zeug zur Gestal­tung von Atmo­sphä­ren in Innen- wie Außen­räu­men, wenn es nach Ein­bruch der Dun­kel­heit oder in tages­licht­ar­men wie dunk­len Räu­men die Atmo­sphä­re her­stellt. Dar­über hin­aus kann es vie­le zeit­li­che und wet­ter­be­ding­te Schwan­kun­gen im Tages­licht kom­pen­sie­ren, was zur Kon­trol­le der Raum­at­mo­sphä­re und damit des Wohl­ge­fühls und der Nutz­bar­keit bei­trägt.

Durch die Beherr­schung indus­tri­ell her­ge­stell­ter Licht­quel­len erhal­ten wir gro­ße Macht über die Atmo­sphä­re von Räu­men, die wir gleich einer Büh­ne in Sze­ne set­zen kön­nen. Ver­zich­ten wir hin­ge­gen in der Ent­wurfs- und Pla­nungs­pha­se auf die Cho­reo­gra­fie des Lichts und der Far­ben, neh­men wir erheb­li­che Ein­schrän­kun­gen der Auf­ent­halts­qua­li­tät, Nut­zung sowie Wert­ver­lus­te in Kauf. Daher soll­ten wir die atmo­sphä­ri­schen Wir­kun­gen von Licht und Far­ben nicht dem Zufall über­las­sen, son­dern sie von Anfang an in alle Pla­nungs- und Ent­schei­dungs­pro­zes­se ein­be­zie­hen.

Kom­plet­ter Arti­kel: FACES OF INTERIOR Aus­ga­be 1/2017

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10.05.17 in Wissenstransfer
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