Welche Farben und Materialien liegen künftig im Trend?

Presserundgang 20.03.2019 Fachmesse FARBE, AUSBAU & FASSADE Köln

Am Mittwoch, 20. März 2019 um 10 Uhr führt Prof. Axel Buether Journalisten und Blogger über die FAF FARBE, AUSBAU & FASSADE und stellt die aktuellen Trends der Branche vor. Sinnlichkeit, Gesundheit und Individualität sind, seiner Meinung nach, die „Megatrends, die noch stärker in den Fokus rücken werden“.

Wie wirken Farben auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit? Lassen sie sich riechen und schmecken? Welche Farben und Materialien liegen künftig im Trend? 402 Aussteller aus 26 Ländern stellen auf der FAF ihre neuesten Entwicklungen und Produkte vor. Prof. Dr. Axel Buether, Farb- und Trendforscher aus Wuppertal, verrät im Interview, welche Macht Farben auf Menschen ausüben und wie sich aromatische Wohlfühlwelten in den eigenen vier Wänden gestalten lassen.

Herr Prof. Buether, welche Macht üben Farben auf uns aus? Wie wirken sie auf unser Verhalten?

Prof. Axel Buether: Dass wir Far­ben sehen ist kein Zufall, son­dern eine äußerst nüt­zliche Erfind­ung der Evo­lu­tion, an der wir mit vie­len anderen Lebe­we­sen teil­haben. Die Far­ben der Natur bilden das größte Kom­mu­nika­tion­ssys­tem der Erde, das Ori­en­tierung bietet, denn jede Farbe hat ihre Bedeu­tung. Far­ben erle­ichtern uns die Suche gesun­der und bekömm­lich­er Nahrung. Sie machen unsicht­bar, was immer wir ver­steck­en wollen und heben her­vor, was von Bedeu­tung ist. Far­ben sind ein Sta­tussym­bol und spie­len eine große Rolle bei sozialen Inter­ak­tio­nen. Am wichtig­sten sind Far­ben jedoch für die Bil­dung der eige­nen Iden­tität. Far­ben haben eine erstaunlich große Macht auf unser Ver­hal­ten, da sie auf unsere Emo­tio­nen, wie unseren Ver­stand wirken.

Wie können wir von dieser Macht profitieren?

Prof. Axel Buether: Da wir Far­ben zu 99 Prozent unbe­wusst wahrnehmen, wer­den wir davon ges­teuert, ohne es wirk­lich zu bemerken. Wir kön­nen etwas für unsere Gesund­heit tun, wenn wir die indi­vidu­ell richti­gen Far­ben für unsere Ernährung, unsere Woh­nung und unsere Ein­rich­tung wählen. Wir haben ger­ade die weltweit größte Studie zu den „Far­ben der Gesund­heit“ im Helios-Uni­ver­sität­sklinikum Wup­per­tal been­det und kon­nten nach­weisen, dass die neuen Raum­far­ben den Ver­brauch wichtiger Medika­mente auf zwei Inten­sivs­ta­tio­nen um durch­schnit­tlich 30 Prozent gesenkt haben. Das bet­rifft vor allem die Neu­rolep­ti­ka, welche bei Unruhe, Aggres­sio­nen und Angstzustän­den gegeben wer­den. Die richti­gen Far­ben am richti­gen Ort kön­nen Leben ret­ten. Im All­t­ag ist die Farb­wahl sel­ten riskant, doch es tut uns in jedem Fall gut, wenn wir zu Hause bess­er entspan­nen, regener­ieren und auf­tanken kön­nen oder am Arbeit­splatz konzen­tri­ert­er und leis­tungs­fähiger sind.

Inwiefern beeinflussen Farben unsere Ernährung?

 Prof. Axel Buether: Far­ben wirken nicht nur auf den Sehsinn, was gemein­hin angenom­men wird, son­dern auch auf unseren Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn. In der Kind­heit ler­nen wir die Welt ken­nen, erfahren, dass Men­schen, Dinge und Räume ganz unter­schiedliche Eigen­schaften haben. Später reicht es uns, wenn wir hin­schauen. Kinder weigern sich etwas zu essen, wenn ihnen das, was sie sehen, keinen Appetit macht. Far­ben spie­len hier­bei die entschei­dende Rolle, da sie von Natur aus dazu da sind, uns bei der Auswahl gesun­der und bekömm­lich­er Nahrung zu berat­en. Wenn die Far­ben leck­er ausse­hen, fährt das Gehirn den Blutzuck­er­spiegel nach unten und regt die Bil­dung von Ver­dau­ungssäften an. Wir bekom­men Appetit. Das Ganze funk­tion­iert natür­lich auch ander­sherum. Von Far­ben kann uns auch unwohl wer­den. Die richtige Farb­wahl ist immer Geschmackssache.

Was ist für Sie die leckerste Farbe?

Prof. Axel Buether: Ich habe Mil­lio­nen Bilder von Nahrungsmit­teln machen lassen und diese anschließend nach Far­ben sortiert. Die leck­er­ste Farbe ist ein­deutig Braun. Braun fühlt sich nicht nur fan­tastisch an, es riecht und schmeckt auch unwider­stehlich. Exo­tis­che Genuss­mit­tel wie Schoko­lade, Kaf­fee, Tee und Tabak oder Gewürze wie Zimt, Muskat­nuss, Pfef­fer, Nelken oder Anis besitzen neben ihren präg­nan­ten tief­braunen Farbtö­nen einen starken aro­ma­tis­chen Geruch und würzi­gen bis bit­ter­süßen Geschmack. Den typ­isch braunen Nuss­geschmack verbinden wir mit Hasel­nüssen, Wal­nüssen und Man­deln oder Edelka­s­tanien. Darüber hin­aus rösten, grillen, brat­en und back­en wir viele Gerichte, bis sie einen unwider­stehlich leck­eren Braun­ton annehmen. Aro­ma­tis­che Braun­töne machen ger­adezu süchtig, und dass längst nicht nur in der Küche. Mit diesen wun­der­vollen aro­ma­tis­chen Braun­tö­nen kön­nen Sie in jedem Raum eine Wohlfüh­lat­mo­sphäre kreieren, die anre­gend, belebend und natür­lich wirkt.

Untersuchungen zeigen, dass große Städte eine eigene farbliche Identität besitzen. Werden Farben je nach Region anders wahrgenommen?

Prof. Axel Buether: Die Farbpräferen­zen jedes Men­schen wer­den in der Kind­heit geprägt. Ich spreche in diesem Zusam­men­hang gerne von Farb­heimat. Die Farbtöne der Natur haben großen Anteil an den regionalen Far­bklän­gen, die bei jedem Men­schen Gefüh­le von Ver­trautheit und Gebor­gen­heit aus­lösen. Genau­so iden­titäts­bildend wirken die Far­ben des Kul­tur­raums. Dazu zählen die Far­ben von Architek­tur, Design, Handw­erk und Kun­st, aber auch die ver­traut­en Far­ben von Plätzen und Straßen, Innen­räu­men und Ein­rich­tun­gen, von Klei­dun­gen und Gebrauch­sob­jek­ten.

Wie wirken regionale Farbpräferenzen auf die Fassadengestaltung?

Prof. Axel Buether: Architek­tonis­che Räume sind keine Box­en, son­dern Atmo­sphären, die sich im Wech­sel­spiel von Licht und Mate­r­i­al bilden. Far­ben wer­den zu Fas­saden, wenn wir wahrnehmen, wie sich das Son­nen­licht an der Ober­fläche bricht. Kaum jemand berührt Fas­saden mit der Hand. Wir ertas­ten die hap­tis­chen Qual­itäten der Ober­flächen fast auss­chließlich mit dem Blick. Farbe ist das Sin­nesmedi­um, mit dem wir die stof­flichen wie auch die atmo­sphärischen Qual­itäten von Räu­men wahrnehmen. Wenn sie auf der Suche nach Far­ben sind, in denen sie sich sich­er, behütet und gebor­gen fühlen, dann suchen sie nach ihrer Farb­heimat. Für mich sind das längst nicht mehr nur die ver­traut­en Far­ben meines Geburt­sortes, son­dern auch die Far­ben der Städte, in denen ich gerne gelebt habe. Einen wichti­gen Teil mein­er Farb­heimat bilden auch die vie­len faszinieren­den Far­ben, die ich auf Reisen ent­deckt und im Gedächt­nis bewahrt habe.

Die Wünsche werden immer individueller. Was muss der Handwerker tun, um diesen Wünschen gerecht zu werden? Ihr persönlicher Tipp für die Praxis?

Prof. Axel Buether: In der Ver­gan­gen­heit haben sich Handw­erk­er mit der The­o­rie und Prax­is ihres Gew­erkes beschäftigt und waren Experten in ihrem Bere­ich. Mit der Tren­nung von pla­nen­den und aus­führen­den Berufen vor eini­gen Jahrzehn­ten hat sich das grundle­gend geän­dert. Die meis­ten Architek­ten und Design­er ver­ste­hen heute nicht viel von den prak­tis­chen Prob­le­men der Farbe, ihrer Mate­ri­al­ität, Ver­ar­beitung und Lan­glebigkeit. Handw­erk­er hinge­gen sind sel­ten in der Lage, ihre Kun­den umfassend zu berat­en, da ihnen grundle­gende farb­wis­senschaftliche Ken­nt­nisse fehlen. Far­ben sind nicht nur Deko­ra­tion, son­dern sie erfüllen wichtige biol­o­gis­che und kul­turelle Funk­tio­nen und wirken hier­durch sehr stark auf das Erleben und Ver­hal­ten jedes Men­schen. In den vorhan­de­nen Far­blehren wird der Stand der Farb­forschung lei­der nicht aus­re­ichend ver­mit­telt, weshalb ich Plan­ern wie Handw­erk­ern auch keinen Vor­wurf mache. Das Wis­sen um Far­bkon­traste und Farb­sym­bo­l­iken reicht nicht aus, um wirk­same Far­bkonzepte zu entwick­eln. Der Ball liegt ein­deutig im Feld der ange­wandten Farb­forschung, also bei Experten wie mir. Inter­essen­ten kön­nen sich in neuen Pub­lika­tio­nen, Vorträ­gen, Fach­ta­gun­gen oder auf Messen, wie auf der FAF, fort­bilden und informieren.

Über die FAF FARBE, AUSBAU & FASSADE

Die europäis­che Fachmesse FAF FARBE, AUSBAU & FASSADE find­et seit 1972 in einem drei­jähri­gen Rhyth­mus statt. Seit 1984 wech­seln sich München und Köln als Mess­es­tädte ab. Die FAF gehört zu den weltweit bedeu­tend­sten Messen für Maler und Lack­ier­er, Stuck­a­teure, Putzer und Trock­en­bauer, Rau­mausstat­ter und Boden­leger. Spezial­isiert ist sie auf die The­men Farbe, Aus­bau, Fas­sade, Baut­en­schutz, Putz, Stuck und Trock­en­bau. Inno­v­a­tive High-Tech-Erzeug­nisse sind dabei eben­so vertreten wie Pro­duk­te für das tra­di­tionelle Handw­erk. Weit­ere Infor­ma­tio­nen sind erhältlich unter www.faf-messe.de und auf Face­book unter www.facebook.com/fafmesse.

Pressekon­takt:

Dr. Patrik Hof, Leit­er Presse- und Öffentlichkeit­sar­beit
Mélanie Diss, Ref­er­entin Presse- und Öffentlichkeit­sar­beit

Weit­ere Infor­ma­tio­nen unter www.faf-msesse.de

17.03.19 in Praxis, Wissenstransfer
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