»Bau­kul­tur ist… mate­ri­el­le Sub­stanz und imma­te­ri­el­ler Aus­druck des mensch­li­chen Seins“

Kolumne Bundesstiftung Baukultur Juni 2014

Der lateinische Begriff „cultura“ , verweist auf Maß und Qualität der Pflege, die wir in Erhalt und Erneuerung unserer Lebensumwelt investieren. Baukultur beinhaltet nicht nur die Pflege der materiellen Substanz, sondern ebenso auch die Pflege des Diskurses über alle wichtigen Fragen unseres Daseins.

Bau­kul­tur als Form­ge­ber und Spie­gel­bild von Gesell­schaft

Neben den mate­ri­el­len Leis­tun­gen gewin­nen auch die imma­te­ri­el­len Leis­tun­gen der Bau­kul­tur an Bedeu­tung, da sie immer mehr zum Ord­nungs­in­stru­ment und Regel­werk für die Gestal­tung von Gesell­schaft wer­den. Ein immer kom­ple­xer wer­den­des Sys­tem von Außen- und Innen­räu­men ermög­licht unse­rer Spe­zi­es die Hier­ar­chi­sie­rung und Spe­zi­fi­zie­rung der For­men unse­res Zusam­men­le­bens. Bau­kul­tur wird hier­durch zum Form­ge­ber und Spie­gel­bild von Gesell­schaft.

Bau­kul­tur als anschau­li­ches Gedächt­nis der Mensch­heit

Bau­kul­tur und Gesell­schaft funk­tio­nie­ren nach dem Prin­zip der Koevo­lu­ti­on oder wech­sel­sei­ti­gen Anpas­sung, da Pla­ner im Ent­wurfs­pro­zess nicht nur die Bedürf­nis­se ihrer Zeit­ge­nos­sen anti­zi­pie­ren, son­dern immer wie­der auch nach neu­en For­men der Lebens­ge­stal­tung suchen. Was sie dabei antreibt spielt vom kul­tur­evo­lu­tio­nä­ren Stand­punkt kei­ne Rol­le, da die Suche nach höhe­rer Funk­tio­na­li­tät eben­so zur Wei­ter­ent­wick­lung von Gesell­schaft bei­tra­gen kann wie die Erpro­bung visio­nä­rer Uto­pi­en.

Bau­kul­tur befruch­tet den Dis­kurs über Sinn und Zweck unse­res Daseins

Im lebens­lan­gen Lern­pro­zess des Gehirns ent­wi­ckelt sich beim Indi­vi­du­um ein anschau­li­ches Vor­stel­lungs­mo­dell der eige­nen Lebens­welt, das die Grund­la­ge aller Wahr­neh­mungs-, Denk- und Hand­lungs­pro­zes­se bil­det. Selbst Spra­che gewinnt nur dort an Bedeu­tung, wo Wor­te auf anschau­lich vor­stell­ba­re Sach­ver­hal­te ver­wei­sen. Wer sind wir? Woher kom­men und wohin gehen wir? Was ver­bin­det und was trennt uns? Was ist Schön­heit und was Häss­lich­keit? Wovon träu­men wir und wie wol­len wir in Zukunft leben? Es sind die Fra­gen nach dem Sinn und Zweck unse­res Daseins, die wir uns in der Aus­ein­an­der­set­zung mit den bau­li­chen Zeug­nis­sen der von uns selbst gestal­te­ten Lebens­um­welt immer wie­der stel­len.

 

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06.06.14 in Wissenstransfer
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